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Pro und Contra Bannmeilen für Flüchtlingsunterkünfte?

Asylunterkünfte werden immer wieder angegriffen. Wie der Schutz der Geflüchteten gewährleistet werden kann, darüber wird jetzt debattiert. Was spricht für eine Schutzzone rund um Flüchtlingsunterkünfte - was dagegen?

Blaulicht vor Flüchtlingsunterkunft

Ständig Blaulicht vor der Flüchtlingsunterkunft - ja oder nein?

Pro Bannmeile vor Asylunterkünften:

Evi Seibert, SWR Hauptstadtstudio Berlin

Evelyn Seibert

Evelyn Seibert

Sie grölen, werfen stinkende Buttersäure auf den Hof und Steine in die Fenster. Flüchtlinge sind für sie pauschal Schmarotzer und Kriminelle, die sie mit verbaler und tatsächlicher Gewalt aus Deutschland vertreiben wollen. Mit dem Recht auf Versammlungsfreiheit und freier Meinungsäußerung hat das nichts mehr zu tun, was da gerade von rechten Truppen angerichtet wird.

Polizisten können aber nicht jedes Flüchtlingsheim rund um die Uhr vor solchen Leuten schützen, da ist der Polizeiapparat endgültig überfordert. Deswegen ruft die Polizei gerade um Hilfe. Mit "Bannmeilen" oder besser gesagt "Schutzzonen", könnten sie die Lage besser in den Griff bekommen. Was spricht dagegen, solche Aufmärsche 1.000 Meter weiter weg von den Fenstern der verängstigten Asylheimbewohner zu verlegen? Es kann nicht sein, dass Familien, die alles aufgeben mussten und die bei uns Schutz suchen, direkt vor ihrer neuen Haustür attackiert und beschimpft werden. Das ist einfach beschämend.

Schutzzonen können helfen. Vielleicht auch nur vorübergehend. Besser noch wären gesellschaftliche Schutzzonen - wenn dieser rechte Mob nämlich überhaupt keine Unterstützung mehr finden würde. Da hat die Kanzlerin recht: Jeder einzelne dieser angeblich anständigen Bürger, die da mitlaufen, ist eine Schande für Deutschland. Solange sie die Brandstifter, Schläger und Steinwerfer damit unterstützen, haben sie alle vor der Tür von Flüchtlingen nichts zu suchen.

Contra Bannmeile vor Asylunterkünften:

Frank Wahlig, SWR Hauptstadtstudio Berlin

Frank Wahlig

Frank Wahlig

Bannmeile – schlimmer geht's nicht. Das wäre ein Misstrauensantrag des Staates gegen sein Volk: Wegbleiben, zurücktreten. Wer näherkommt, ist verdächtig rechtsradikal zu sein - Pack, im Zweifelsfall. Willkommenskultur - da war doch mal was - sieht anders aus. Selbstsicherheit auch.

Bannmeile: Der Staat übt Zwang gegen alle seine Bürger aus. Geht's noch?

Die Zivilgesellschaft wird unter Beobachtung gestellt. Die Unterkünfte werden durch Sicherheitspersonal nach innen und nach außen kontrolliert. Das reicht, bei hunderten von Unterkünften, quer durch die Republik. Wer möchte, kann vor den Unterkünften demonstrieren. Für oder gegen die Flüchtlingspolitik. Gegen Asylmissbrauch, für Abschiebungen. Da muss Debatte möglich sein. Auch spontan. Auch vor Flüchtlingsheimen. Das gehört zur Qualität unseres Landes. Diese Qualität verdient Schutz des Staates und keine Bannmeile.

Online: Heidi Keller