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Pro & Contra Mehr Videoüberwachung = mehr Schutz?

Nach der Kölner Silvesternacht und angesichts der Terrorgefahr wird in Deutschland der Ruf nach mehr Videoüberwachung immer lauter. Was spricht dafür, was dagegen?

Videoüberwachung HBF Köln

Videoüberwachung im Hauptbahnhof Köln

PRO - für mehr Videoüberwachung

Von SWR-Hauptstadtkorrespondentin Rebecca Lüer

Video-Überwachung auf Schritt und Tritt? Warum nicht? Dank Facebook, Twitter oder Standortweitergabe bei meinen Smartphone-Apps mache ich mich datentechnisch ja schon seit Jahren nackig. Und in Berlin-Mitte, wo ich wohne, ist die Kameradichte bereits jetzt extrem hoch.

Natürlich werden die Sicherheitsbehörden auch mit fünfmal so vielen Kameras künftig nicht alle Verbrechen verhindern können. Aber es wird für Menschen, die andern Böses wollen, deutlich schwerer, ihre Pläne durchzuziehen. Oder, falls sie es doch schaffen, ungestraft davon zu kommen. Das gilt für den Taschendieb am Brandenburger Tor genauso wie für potentielle Attentäter.

"Ein Gefühl der Sicherheit"

Rebecca Lüer

Rebecca Lüer

Und falls ich mit einer großen Tasche bepackt überwachungstechnisch jemals so auffallen sollte, dass mich jemand kontrolliert – bitte! Wenn ich weiß, dass nicht nur ich meine harmlosen Einkäufe vorzeigen muss, sondern auch der Typ mit dem nächsten Sprengsatz durch Kameraüberwachung auffliegt, dann hab ich mit dieser Einschränkung meiner persönlichen Freiheit kein Problem.

Ganz im Gegenteil. Mir gibt das ein Gefühl von mehr Sicherheit. Und ich bin mit meiner Meinung nicht allein. Seit Jahren spricht sich in Umfragen die überwältigende Mehrheit der Deutschen für mehr Videoüberwachung im öffentlichen Raum aus.

CONTRA - gegen mehr Videoüberwachung

Von Uwe Lueb, SWR-Korrespondent in Berlin

Privatsphäre endet nicht an der Wohnungstür. Zugegeben: Es spricht wenig gegen Videoüberwachung an Flughäfen und in der U-Bahn. Meinetwegen auch an unfallträchtigen Ampelkreuzungen. Aber es muss enge Grenzen geben.

Wenn ich mit meinem Hund Gassi gehe oder im Jogginganzug Brötchen hole, möchte ich dabei nicht gefilmt werden. Auch im öffentlichen Raum gibt es Privatheit. Wenn das Argument für feinmaschiges Abfilmen "mehr Sicherheit" ist, dann ebnet das in letzter Konsequenz den Weg hin zu totaler Überwachung.

"Video schützt nicht vor Terror"

Uwe Lueb

Uwe Lueb

Doch so wenig wie es meine Krankenkasse etwas angeht, ob ich fett esse, geht es den Staat etwas an, wann ich mich mit wem wo treffe. Dank biometrischer Verfahren ließe sich das aber rekonstruieren. Dabei sind Irrtümer nicht ausgeschlossen.

Vor Terror schützen Videokameras übrigens garantiert nicht. So zynisch es klingen mag: Selbstmordattentätern ist es egal, ob sie kurz vor dem Zünden ihrer Bombe gefilmt werden oder nicht.

Online: Peter Mühlfeit