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Die Impfquote gegen Polio beziehungsweise Kinderlähmung ist in Deutschland laut Robert-Koch-Institut gesunken. Dabei besteht auch hierzulande immer noch Ansteckungsgefahr.

93 Prozent - das ist laut Robert-Koch-Institut die aktuelle Impfquote für Polio zum Schulstart. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Quote von 95 Prozent. "Das klingt nicht viel, heißt aber: sieben Prozent der Kinder sind zum Schulstart nicht geimpft in Deutschland. Das kann bei geburtenstarken Jahrgängen bis zu 50.000 Kinder pro Jahr betreffen", so Sabine Diedrich vom Robert-Koch-Institut.

"Polio ist eine schreckliche Krankheit - und nicht heilbar"

Das Problem: Deutschland ist schon so lange poliofrei, dass viele die Gefahren der Krankheit nicht mehr kennen oder unterschätzen. Das betrifft selbst Mediziner, meint Diedrich: "Viele junge Ärzte haben noch nie einen Fall von Kinderlähmung gesehen und kennen es nur aus dem Lehrbuch. Auch Eltern sehen keine gelähmten Kinder mehr und denken, dass die Gefahr weit weg ist." Dabei sei Polio eine besonders schreckliche Krankheit. Sie kommt über kontaminierte Hände in den Mund und befällt dann den Darm und andere Organe. Am Ende steht dann die Lähmung der Extremitäten, also Arme und Beine. "Das Schlimme daran ist, dass es für diese Lähmungen keine Heilung gibt", so Diedrich.

Europa ist poliofrei - aber das kann sich schnell ändern

Seit 2002 gilt Europa als poliofrei. Trotzdem sei die Ansteckungsgefahr auch in Deutschland nicht bei Null, erklärt Sabine Diedrich.

"Die Viren kennen keine Grenze. Durch erhöhte Reisetätigkeit, Migration und Flucht kann das Virus jederzeit wieder nach Deutschland zurückkehren."

Sabine Diedrich, Robert-Koch-Institut

Ein entsprechender Fall ist zum Beispiel Russland. Dort war die Kinderlähmung eigentlich ausgerottet, das Virus kam aber über Pakistan wieder ins Land. Dadurch gab es in Russland 2010 wieder einen Ausbruch der Kinderlähmung. Ähnliches sei auch in Deutschland möglich, warnt Diedrich.

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