Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

Freiburger Pflegerin abgeschoben

Meinung: Diese Abschiebung ist eine Schande

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Stefan Giese
Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat eine Altenpflegerin aus Freiburg nach Armenien abschieben lassen. Es hat damit kein Problem gelöst, aber mehrere geschaffen, meint Stefan Giese.

"Wir gestalten und verwalten – mit Herz und Verstand!", das behauptete das Regierungspräsidium Karlsruhe von sich selbst. Der Fall der Pflegerin Zoufinar Murad zeigt, dass es mit dem Herz und dem Gestalten in der Behörde nicht weit her ist, mit dem "Verwalten" umso mehr. Die 53-jährige Murad ist dem syrischen Bürgerkrieg entflohen, hat in Freiburg in der Altenpflege gearbeitet und wurde in der Nacht zum Mittwoch von der Polizei aus ihrer Nachtschicht gerissen.

Fernseh-Beitrag zur Abschiebung von Zoufinar Murad:

Video herunterladen (9,1 MB | MP4)

Mit diesem an sich schon befremdlichen Vorgang wurde sichergestellt, dass Zoufinar Murad auf Betreiben des Regierungspräsidiums nach Armenien abgeschoben werden konnte. Einem Land, mit dem die gebürtige Syrerin Murad nichts zu tun hat, außer dass ihre Vorfahren von dort stammen und in dem sie vor Jahrzehnten studiert hatte. Für die zuständige Behörde in Karlsruhe ist damit die Sache erledigt, schließlich sei sie ausreisepflichtig gewesen. Alles ging seinen Verwaltungsgang. Akte zu.

Dabei ist gerade eine Gesetzesänderung in Arbeit, die Menschen wie Zoufinar Murad eine gesicherte Perspektive in Deutschland schaffen soll. Das Präsidium hätte einfach nur abwarten müssen. Doch nein, es hat sich dafür entschieden, eine traumatisierte Frau, die weder kriminell war noch der deutschen Gesellschaft auf der Tasche gelegen hat, in tiefe Verzweiflung zu stürzen. Es hat zudem seinen Beitrag dazu geleistet, den Arbeitskräftemangel in der Pflege ein Stück weit zu verschärfen. Nun rauchen in Armenien und in Freiburg die Köpfe, wie die von der Behörde geschaffenen Probleme rückgängig gemacht werden können.

Für ihre Rückkehr nach Freiburg braucht Frau Murad ein deutsches Visum und eine Aussetzung der Einreisesperre. Die deutsche Bürokratie wird es also wohl bald wieder mit ihr zu tun bekommen – und damit die Chance zu beweisen, dass sie in der Lage ist, auch "mit Herz und Verstand" zu handeln.

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