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In einem Dokumentarfilm forderte Papst Franziskus, gleichgeschlechtliche Paare rechtich abzusichern. Was manche als spektakulären Kurswechsel bewerten, hält SWR-Religionsexperte Jörg Vins für eine Privatmeinung, die noch Probleme bereiten werde.

Homosexuelle hätten das Recht, in einer Familie zu sein, sagte das Oberhaupt der Katholischen Kirche in einem Dokumentarfilm des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski. Und weiter: "Wir müssen ein Gesetz für zivile Partnerschaften schaffen. Sie haben das Recht, rechtlich abgesichert zu sein."

Papst-Amt: kein Unterschied zwischen privater und offizieller Meinung

So weit, so gut - und so problematisch: "Der Papst hat keine private Meinung, weil sein Amt so definiert ist, dass das Private und das Offizielle in eins fällt", sagt Jörg Vins, der Leiter der SWR-Redaktion Religion, Migration, Gesellschaft. So gesehen könne der Papst schlecht privat etwas anderes sagen, als das, was die Kirche als Lehrmeinung vorgibt. "Jetzt verwechselt man das, was er persönlich sagt, mit dem, was möglicherweise ein Papst sagen könnte."

Ein homosexuelles Paar küsst seine Tochter (Symbolbild) (Foto: Imago, Michela Ravasio)
Ein homosexuelles Paar küsst seine Tochter (Symbolbild) Imago Michela Ravasio

Papst eckte schon öfters an

Natürlich müsse auch der Papst wissen, dass seine Meinung immer auch eine offizielle Aussage ist. "Und trotzdem gibt es auch in der Vergangenheit eine Menge Beispiele, wo die Pressestelle des Vatikan immer wieder Äußerungen des Papstes zurückholen musste, weil sie nicht so ganz auf der Linie waren."

Damit sei auch in diesem Fall zu rechnen. "Es wird sicher so sein, dass die Erzkonservativen in der Katholischen Kirche diese Äußerung missverstehen und missverstehen wollen." So könnten sie die Aussagen des Papstes dahingehend verstehen, dass er Homosexuellen die Ausübung des Priesteramtes oder die Ehe zugestehen wolle - was er aber gar nicht im Sinn habe.

Scheinbar widersprüchliche Botschaften

Die Schwierigkeit liege in der Differenzierung: Einerseits spreche sich der Papst privat gegen eine Benachteiligung von homosexuellen Menschen aus, andererseits ziehe er offiziell innerkirchlich Grenzen ein. "Das wird in den nächsten Tagen eine spannende Diskussion", ist sich Jörg Vins sicher.

Die erzkonservativen Kreise in der Katholischen Kirche würden Papst Franziskus jetzt unterstellen, Türen zu öffnen, die sich nicht mehr schließen ließen. "Da fürchtet man, dass er die Kirche auf ungute Weise umkrempelt."

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