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Die Pandemie beschleunigt das Ladensterben in den Innenstädten. Die Debatte über Fahrverbote und Heizstrahler ist oberflächlich, meint Martin Rupps.

Die Pandemie scheint zumindest in Deutschland unter Kontrolle. Jetzt sterben die Läden. In Mainz kündigten binnen kurzer Zeit ein Elektromarkt, ein Musikhaus und eine Discounter-Filiale die Schließung an. Die ersten beide Geschäfte haben Tradition in der Stadt, das dritte ist wegen seiner Lage für Ältere wichtig.

Leerstand in den Städten ist kein neues Phänomen, aber es traf bis jetzt vor allem kleine und mittelgroße Städte, in Rheinland-Pfalz zum Beispiel Primasens und Worms. Jetzt erreicht das Ladensterben die Landeshauptstädte und ihre Speckgürtel drumherum. In Böblingen und Sindelfingen vor den Toren Stuttgarts lag einmal das Geld „wegen dem Daimler“ sinnbildlich auf jeder Parkbank. Sindelfingen hat zum „Runden Tisch“ gerufen, um das Sterben seiner Innenstadt abzuwenden.

Bis jetzt erfährt das Thema, scheint mir, nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient. Es gibt öffentliche Debatten über Diesel-Fahrverbote oder darüber, ob Gastwirte wieder Heizstrahler betreiben dürfen. Tatsächlich vollzieht sich ein Umbruch unseres Einkaufs- und Konsumverhaltens, der das vertraute Nebeneinander von Handel, Gastronomie und Kultur zerstört. Die City von morgen wird eine völlig andere oder gar keine mehr sein.

Runder Tisch bringt Betroffene und Willige zusammen

Stadtoberhäupter reden darüber nicht gern, weil sie zusammen mit ihren Parlamenten Schuldenberge aufgehäuft, sich also die Hände gebunden haben. Sie können auch gegen Investoren, die ein zentral gelegenes Gebäude zehn oder 20 Jahre leer stehen lassen, nichts ausrichten. Der „runde Tisch“ ist ein nützliches Modell, um alle von der Krise Betroffenen und zur Mitarbeit Willigen zusammenzubringen. An diesem Tisch entscheidet sich, ob eine Stadt mit ihrer Frau oder ihrem Mann an der Spitze Glück gehabt hat.

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