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Als wir vor einem Jahr Ostern ohne Familie und Freunde feiern mussten, fanden wir das schon ziemlich hart. Weil wir nicht wussten, was noch alles kommt. Dass die Corona-Lage beim nächsten Osterfest noch viel schlimmer sein würde. Manchmal ist es eben gut, nicht alles zu wissen, findet Laura Koppenhöfer in unserer Wochenende-Kolumne “Zwei Minuten”.

Achduje! Wie gut, dass wir letztes Jahr an Ostern nicht wussten, was uns noch alles bevorsteht. Stellen Sie sich mal vor, da hätte am Ostersonntag 2020 ein soeben auferstandener Prophet verkündet: “Übrigens, in einem Jahr machen wir das immer noch mit dem Lockdown! Und das Ende der dritten Welle? Weiß der Himmel...”.

"Herrjemine” hätten wir gerufen, letztes Jahr an Ostern, und uns fast an einem der gehamsterten Schokohasen verschluckt: “Eine dritte Welle? Und immer noch kein Impfstoff?” “Doch, doch”, hätte der Prophet prophezeit: “Einen Impfstoff gibt’s, sogar mehrere, aber die sind alle ausverkauft. An Amerikaner, Briten und Israelis zum Beispiel. Die Europäer haben zu wenig bestellt. Naja, dafür gibt es genug Mehl, Klopapier und Desinfektionsspray.”

“Oh je” hätten wir gerufen, letztes Jahr an Ostern, und dabei ein bisschen hyperventiliert. “Und die Schulen und Kitas sind immer noch zu?” - “Die sind zur Abwechslung gerade auf", hätte der Auferstandene beschwichtigt. “Aber erst seit kurzem und sicher nicht mehr lange. Wegen der Virusmutationen. Durch die gibt es ja sowas wie eine neue Pandemie.”

Jesus! Hätten wir all das gewusst vor einem Jahr an Ostern, hätte das garantiert noch mehr Menschen in größte Verzweiflung gestürzt. Vor einem Jahr, als #wirbleibenzuhause noch wohlig nach Zuversicht und Gemeinschaft klang und Kinder eifrig Regenbögen malten und als Mutmacher ins Fenster klebten. Als es noch neu und darum witzig war, sich mit der Verwandtschaft digital zusammenzuschalten zum Osterbrunch.

Als der Frühjahrslockdown so schnell Wirkung zeigte, dass schon bald - mit bestechender Logik - gemeckert wurde, dann hätte man ihn doch eigentlich gar nicht gebraucht. Als es noch die reale Hoffnung gab, dass ja nicht jede Pandemie zwangsläufig eine zweite Welle hat. Oder nur eine ganz kleine. Als wir zögerten, zehn Euro für eine Stoffmaske auszugeben, weil sich das doch nicht lohnt - für die paar Wochen Maskenpflicht. Als die Politik noch hauptsächlich gelobt wurde, für ihr schnelles, beherztes Reagieren und das unbürokratische Bereitstellen von Hilfen.

Schoko-Osterhase mit Schutzmaske (Foto: Imago, Christian Ohde)
Alle Jahre wieder - Ostern im Lockdown. Auch der Schoko-Osterhase ist mit Schutzmaske ganz Corona-konform. Imago Christian Ohde

Unn-bühro-krathisch, ein Wort, das wir heute nicht mal mehr buchstabieren können, vor lauter Verordnungen, Impfberechtigungskriterien und Öffnen-nach-Inzidenz-Tabellen.

Zum zweiten Lockdown-Ostern beklagen wir allein in Deutschland bald 80.000 Corona-Tote, sind zermürbt, erschöpft, desillusioniert. Das ach so wohlorganisierte Deutschland kriegt es nicht auf die Reihe. Digitalisieren, Impfen, Schnelltesten, nix klappt so richtig und schon gar nicht auf Anhieb.

Achduje…wie gut also, dass Jesus nicht vor einem Jahr auferstanden ist, um uns all das zu prophezeien, sondern vor bald 2000 Jahren mit der frohen Osterbotschaft, dass sich eine Schreckensgeschichte in eine Heilsgeschichte verwandeln kann. Die haben wir lange nicht so nötig gehabt wie heute.

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