Josef Karcher (Foto: SWR)

"Zwei Minuten": Die Kolumne zum Wochenende

Olaf wagt Klopse

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Josef Karcher

Die Nikolaus-Woche hat Olaf Scholz als Bundeskanzler hervorgebracht. Seine Ampel-Koalition will insgesamt "mehr Fortschritt wagen". Es gibt aber eine nicht ganz unbedeutende Ausnahme, wie Josef Karcher in seiner Wochenend-Glosse "Zwei Minuten" meint.

Die deutsche Sozialdemokratie ist mitunter gar nicht so progressiv, wie man vielleicht denkt. Schauen wir uns nur einmal die Lieblingsspeisen der SPD-Kanzler an. Von Willy Brandt bis Olaf Scholz – da strotzt es geradezu vor Bürgerlichkeit, da trieft es Tradition.

Die Kolumne von Josef Karcher können Sie hier auch als Audio hören:

Der historischen Reihe nach, beginnen wir mit Willy Brandt. Der erste SPD-Mann im Kanzleramt und "Mehr-Demokratie-Wager" mochte es gerne schlicht wie bei Großmuttern – Erdäpfel-Puffer mit Preiselbeeren. Nachfolger Helmut Schmidt nahm ein langes Leben lang zwar regelmäßig Nikotin zu sich, ließ sich aber alle zwei Wochen einen Teller Erbsensuppe aus der Kantine servieren.

Schröders Ding war die Curry-Wurst

Danach kam eine lange Kohl-Pause, ehe mit Gerhard Schröder wieder ein Genosse an der Reihe war. Der Niedersachse setzte vom Outfit her neue Maßstäbe, jedoch kulinarisch zeigte er sich weniger innovativ, eher proletarisch. Schröders Ding war nämlich die Curry-Wurst. Er kenne in Berlin alle Wurstbuden, behauptete er von sich.

Nach der erneuten christdemokratischen Zwischenmahlzeit mit einer gewissen Angela Merkel - nun also Olaf Scholz. Auch er geht gastronomisch kein großes Wagnis ein, setzt auf Altbewährtes. Und zwar auf Königsberger Klopse. Die wurden schon in einem Kochbuch aus dem Jahr 1845 beschrieben. Das ist umso erstaunlicher, als die Geburtsstunde der SPD ins Jahr 1863 fällt.

Leibgericht von Olaf Scholz: Könisgsberger Klopse (Foto: IMAGO, IMAGO / Westend61)
Leibgericht von Olaf Scholz: Könisgsberger Klopse IMAGO / Westend61

Gibt es etwas Klassischeres als gekochte Fleischbällchen aus dem guten alten ostpreußischen Königsberg? Laut einer neuzeitlichen Umfrage das bekannteste regionale Gericht. 93 Prozent aller Deutschen sind die Klopse ein Begriff, da reicht die Impfquote lange nicht heran. Beim neuen Ampel-Chefkoch Scholz, der konsequenterweise den Königsberger Immanuel Kant seinen Lieblingsphilosophen nennt, kommt hinzu, dass er seine Klopse zuhause selbst zubereitet, ehe er sie – auch mit Gästen - verspeist. Bleibt zu hoffen, dass man vom neuen Mann im Kanzleramt, nicht allzu oft sagen muss: Da hat er wieder einen Klops gebaut.     

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