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Nutzlose Mietpreisbremse Kasse machen mit möblierten Wohnungen

Möbliert vermieten heißt teurer vermieten: Vermieter, die Wohnungen und Appartements komplett eingerichtet anbieten, können ihren Profit enorm steigern. Die Miete kann 70 Prozent höher sein.

Eine Steinmauer in einem Wohnzimmer.

Möblierte Wohnungen bringen mehr Geld

Die Miete bei möblierten Objekten steigt nach einer Untersuchung des Forschungsinstituts Empirica in den wichtigsten deutschen Großstädten um rund 70 Prozent.

Mehr Profit für Vermieter

Der Preisanstieg für möblierte Wohnungen in weiteren deutschen Großstädten: In Hamburg stieg der Quadratmeter-Preis auf 17 Euro statt 10 Euro (+35 Prozent), in Köln auf 19 Euro statt 10 Euro (+45 Prozent) und in München auf 27 Euro statt 17 Euro (+60 Prozent).

Einsamer Spitzenreiter ist Stuttgart: Für möblierte Wohnungen zahlen Mieter hier das Doppelte - statt der üblichen gut 11 Euro werden dann 22 Euro pro Quadratmeter fällig. Das Angebot hat sich in den letzten vier Jahren verdoppelt. Da hilft auch die Mietpreisbremse nicht mehr, denn für die Einrichtung darf der Vermieter einen Zuschlag nehmen - und den legt er selbst fest.

Der Zuschlag für die Einrichtung ist also eine Gelegenheit, die Mietpreisbremse auszubremsen, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund: "Fakt ist sicherlich, dass, wenn ich ein Objekt möbliert anbiete, ich die ortsübliche Vergleichsmiete und damit die Grenze für die Mietpreisbremse ein bisschen verschleiern kann."

Keine verbindlichen Regelungen für Möblierung

Tage der Architektur 2014

Küche muss bei möblierten Wohnungen sein

Üblich ist es, zwei Prozent des Zeitwertes der Möbel auf die Miete draufzuschlagen - aber das ist nirgendwo verbindlich geregelt. Allerdings heißt möbliert nicht, einfach ein Buffet vom Sperrmüll ins Wohnzimmer zu stellen. Möbliert bedeutet schon, dass der Mieter mit einer komplett eingerichteten Wohnung inklusive funktionierender Küche rechnen kann.

Damit ist auch klar, wo dieses Geschäftsmodell seine Grenzen hat, sagt Mieterbund-Experte Ropertz: "Ich kann mir ehrlich gesagt auch kaum vorstellen, dass ein Vermieter eines Zehn-Familien-Hauses seine zehn 70-Quadratmeter-Wohnungen komplett möbliert, um die Mietpreisbremsen-Regelung im Gesetz zu verschleiern oder zu umgehen. Denn, ob sich dieses Investment aus seiner Sicht jemals lohnen wird, kann man mit mehreren Fragezeichen versehen."

Nachfrage nach möblierten Wohnungen steigt durch neue Lebensmodelle

Ein sportliche Mann mit grauen Haaren liegt mit einem Kopfhörer auf dem Sofa und hört wohl Musik

Wer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung braucht, zieht eine möblierte vor

Die Untersuchung sieht auch keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem steigenden Angebot möblierter Wohnungen und der Mietpreisbremse. Allerdings scheint sich für diesen Immobilienbereich in den letzten Jahren ein Markt entwickelt zu haben, der besonders in Großstädten wächst - und damit für Investoren interessant wird.

Mit normalen Vermietern, die eine normale Wohnung anbieten, hat das kaum etwas zu tun, sagt Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus und Grund: "Private Kleinvermieter sind an langfristigen Mietverhältnissen interessiert. Deshalb vermieten sie in der Regel auch keine möblierten Wohnungen. Obwohl, das muss man sagen, die veränderte Arbeitswelt hat bestimmt dazu beigetragen, dass möblierte Wohnungen nachgefragt werden."

Befristete Projekte und Jobs für Berufstätige und Studierende

Mietpreisbremse

Mietpreisbremse wird umschifft

Denn befristete Jobs oder Projekteinsätze haben zugenommen. Für Führungskräfte, Geschäftsleute oder auch Studierende, die nur für relative kurze Zeit in eine andere Großstadt kommen, lohnt sich ein kompletter Umzug nicht.

Aufgefallen ist den Forschern von Empirica allerdings ein Trend: Die Preise für möblierte Wohnungen sind in allen untersuchten Städten seit Mai 2015 stark gestiegen. Ebenfalls seit Mai 2015 gilt das Bestellerprinzip. Das heißt, Vermieter müssen den Makler bezahlen - und versuchen offenbar, diese Kosten wieder reinzuholen, indem sie möbliert und damit teurer vermieten.

Autor: Marc Koch, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Heidi Keller, Christine Scherer