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Nicht nur Intensivstationen, auch Notaufnahmen sind derzeit am Limit. Sie sind die erste Anlaufstelle auch für Patienten, die Corona haben. Mit Sorge erwartet man dort die Feiertage.

Immer mehr Verletzte oder akut Erkrankte in den Notaufnahmen sind Covid-19-positiv. Das stellt Ärzte und Pfleger vor völlig neue Herausforderung in einem Job, in dem oft Sekunden zählen. Auch in der Notaufnahme der Mannheimer Universitätsklinik wächst die Anspannung vor allem mit Blick auf die anstehenden Feiertage:

Warntafeln „Covid 19 positiv" hängen vor Kabinen

Derzeit herrscht in der Notfallaufnahme ein ständiges Kommen und Gehen. Die Behandlungskabinen sind belegt und auch auf den Gängen ist einiges los. Ärzte, Pfleger und Sanitäter tragen zusätzliche Schutzkleidung – wie Plastikkittel, Maske und Brille – den kompletten Arbeitstag lang. Neun Patienten werden im Moment versorgt. Vor den meisten Behandlungskabinen hängen rote und grünbraune Warntafeln mit der Aufschrift „Covid 19 positiv“. Schon vor der Pandemie waren viele Notaufnahmen an der Belastungsgrenze, jetzt ist die Lage noch angespannter:

„Gefühlt sind die Zeiten am Eskalieren. Heute zum Beispiel habe ich fast ausschließlich Covid-Patienten.“

Alexy Anokhin, Assistenzarzt (15.12.2020)

Besonders die Organisation, die wegen der Infektionsgefahr notwendig wird, belastet den Arbeitsalltag zusätzlich: Am Telefon wird vorab gefragt, ob es Hinweise auf Covid-19 gibt. Falls ja, müssen Kabine dementsprechend frei geräumt werden und danach desinfiziert. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die das Arbeitsleben komplizierter machen. Und die auch mehr Zeit kosten. Wichtige Zeit, die fehlt, wenn ein neuer Patient ganz dringend Hilfe braucht.

„Eine Kollegin aus Heidelberg hat mir gesagt: Wenn sie nach Hause kommt, fühlt sie sich, als wäre sie von einem Lkw überfahren worden. Man geht also psychisch, aber auch physisch sehr kaputt.“

Elisabeth Walz, stellver. Leiterin der Notaufnahme Mannheim

Vielleicht ist so ein Fest in dieser Zeit nicht so wichtig?

Mit Sorge blicken fast alle Klinikmitarbeiter auf Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage. Sie rechnen damit, dass der Andrang in der Notaufnahme und der Stress der Ärzte und Pfleger wegen Corona noch viel größer werden. Große Kapazitäten hätten sie dann nicht mehr, sagt Alexy Anokhin, dann müssten sie improvisieren:„Deswegen sehe ich mit einem mulmigen Gefühl auf die Weihnachtsfeiertage. Ich persönlich wünsche es mir einfach, dass die Menschen auf sich acht geben und auch auf die anderen Menschen. Vielleicht auf Weihnachten verzichten – vielleicht ist so ein Fest einfach nicht so wichtig, gerade in dieser Zeit?

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