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Die USA wollen im Nordosten Syriens Ölfelder beschützen, Russland spricht von Ölschmuggel. Satellitenfotos würden das beweisen. In Ankara hat der türkische Außenminister derweil Deutschland mangelhafte Unterstützung vorgeworfen.

US-Truppen sollen laut russischem Verteidigungsministerium große Ölmengen gestohlen haben. Das meldet die Nachrichtenagentur dpa. Das Öl werde gefördert, abgefüllt und außer Landes gebracht, sagte der russische Generalmajor Igor Konaschenko in einer Mitteilung. Dazu veröffentlichte die Behörde Satillenfotos, die den Schmuggel beweisen sollen.

In Ankara hat der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) seinen türkischen Amtkollegen Mevlüt Çavuşoğlu getroffen. Korrespondentin Karin Senz berichtet im Audiobeitrag:

Moskau wirft den USA "staatliches Banditentum" vor

Die USA hatten zuvor angekündigt, zusätzliche Militärkräfte zu den Ölfeldern in der ostsyrischen Provinz Deir Essor zu entsenden. Möglicherweise sollten auch Panzer eingesetzt werden - nach US-Angaben zum Schutz der Ölquellen, auch vor der syrischen Regierung. Moskau widersprach der Darstellung nun.

Konaschenko warf den USA "staatliches Banditentum" vor. Die Ölfelder würden mit Waffengewalt besetzt. Es sei weder mit US-Recht noch mit internationalen Standards vereinbar, dem syrischen Volk seine Bodenschätze vorzuenthalten.

Assad-Regierung beklagt Engpässe beim Öl

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte 2014 wichtige Ölfelder erobert und monatlich Millionen Euro mit dem Verkauf des Öls verdient, bevor die Ölanlagen durch die US-geführte Anti-IS-Koalition zerstört wurden. Im Oktober 2015 wurden viele der Ölfelder von den kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) erobert, die sie bis heute mit Unterstützung der US-Truppen kontrollieren.

Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, keine der Ölquellen gehöre "den Terroristen des Islamischen Staats und noch weniger 'den amerikanischen Verteidigern der Terroristen des Islamischen Staats', sondern ausschließlich der Syrischen Arabischen Republik".

Russische Streitkräfte patrouillieren an der syrisch-türkischen Grenze. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/-/AP/dpa)
Russische Streitkräfte patrouillieren an der syrisch-türkischen Grenze. picture alliance/-/AP/dpa

Die Regierung von Syriens Machthaber Baschar al-Assad fordert seit Langem die Rückgabe der Felder. Sie klagt schon seit Jahren über Energie-Versorgungsengpässe. Seit Beginn des Bürgerkriegs unterliegt sie einem internationalen Ölembargo, seit Anfang des Jahres gelangen auch kaum noch iranische Öllieferungen nach Syrien. Assads Regierung hätte also durchaus Interesse, die Ölfelder in Deir Essor zu erobern.

Ankara beklagt mangelnde Unterstützung aus Deutschland

Kritik kam in Sachen Nordsyrien-Konflikt am Samstag auch aus Ankara - allerdings in Richtung Deutschland. Der türkische Außenminister Çavuşoğlu hat bei einem Treffen mit dem deutschen Außenminister Heiko Maas (SPD) die deutsche Haltung zu der Militäroffensive in Nordsyrien kritisiert.

Çavuşoğlu sagte, Deutschland behaupte, es verstehe die Sicherheitsbedenken der Türkei. Gleichzeitig stelle es sich aber auf die Seite von "internationalen Terroristen". Gemeint war die Kurdenmiliz YPG, die die Türkei in Nordsyrien bekämpft. Der Außenminister forderte mehr Unterstützung von Deutschland.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat seinen türkischen Amtkollegen Mevlüt Çavuşoğlu in Ankara getroffen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Kay Nietfeld/dpa)
Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat seinen türkischen Amtkollegen Mevlüt Çavuşoğlu in Ankara getroffen. picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Çavuşoğlu äußerte sich außerdem zu dem Vorschlag von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), eine internationale Schutzzone in Nordsyrien einzurichten. Das sei momentan nicht realistisch, sagte er. Er empfahl, dass man sich in Deutschland erst mal untereinander einig werden solle. Die SPD lehnt den Vorstoß von Kramp-Karrenbauer ab.

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