Müde Politiker: Angela Merkel, Christian Linder (M.) und Andreas Scheuer (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa)

Nach Zusammenbrüchen im Bundestag "Unmenschlich" - Bundespolitiker klagen über Arbeitsbelastung

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Die Parlamentarier im Bundestag kritisieren ihre Arbeitsbedingungen. Gleich zwei Abgeordnete hatten gestern im Bundestags-Plenum einen Schwächeanfall.

Der Stress der Bundestagsabgeordneten ist heute großes Thema auf den Fluren des Parlaments. "Arbeitssitzungen bis vier Uhr morgens halte ich für unmenschlich", sagte Ex-SPD Chef Martin Schulz dem ARD-Hauptstadtstudio. Und fordert eine zügige Reform der Arbeitsbedingungen.

Abendveranstaltungen und Nachtsitzungen

Es mache die Leute kaputt, wenn sie in Bundestagswochen in Berlin ständig Abendveranstaltungen und Nachtsitzungen absolvieren müssten, so Schulz. Er macht aber auch den medialen Druck auf Abgeordnete mit verantwortlich für den Stress. Wer im Netz über Parlamentarier herziehe und hetze, solle mal überlegen, was das bewirke.

Druck durch hämische Kommentare im Netz

Als besonders heftiges Beispiel nannte Schulz den Zusammenbruch des Abgeordneten Matthias Hauer (CDU) gestern, der im Plenarsaal um sein Leben gerungen habe, während fast zeitglich im Netz hämische Kommentare dazu gepostet wurden.

"Das ist eine Niedertracht, das macht einen fassungslos."

Martin Schulz, Bundestagsabgeordneter (SPD)

Auch andere Parlamentarier haben sich zum Stress im Bundestag geäußert. Die Linken-Abgeordnete Anke Domscheit-Berg sagte, sie kenne kaum Bundestagskollegen ohne chronischen Schlafmangel. Wenn man gute Politik wolle, müsse man auch gute Arbeitsbedingungen dafür schaffen. Im Moment aber seien diese "unmenschlich" und die Rahmenbedingungen "unschön".

SWR-Hauptstadtkorrespondent Kilian Pfeffer verweist darauf, dass der Beruf eines Politiker tatsächlich ein "sehr belastender Job" sei. "Es ist schwierig, sich so zu ernähren, die Tage sind lang, die Sitzungswochen besonders lang."

Kein Essen und Trinken im Plenarsaal

Dazu erschwerend kämen die Regeln für den Bundestag: "Man darf im Plenarsaal nichts trinken am Platz, essen auch nicht. Das ist irgendwie nachvollziehbar, das hat ja auch mit der Würde des Hauses zu tun. Es wäre ja schon etwas irritierend, wenn da eine mampfende Masse sitzen würde", sagt Pfeffer.

Der Begriff "unmenschlich" sei sicher ein bisschen zu krass". Aber es sei wichtig, dass mal über das Thema geredet werde.

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