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US-Präsident Trump hat den deutschen US-Botschafter Grenell zum neuen Geheimdienstdirektor gemacht. Trotzdem soll Grenell nach Berlin zurückkehren.

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, wird vorübergehend neuer geschäftsführender Geheimdienstdirektor der USA. Das hat Präsident Donald Trump auf Twitter bekanntgegeben.

Trotz seines vorübergehenden Wechsels nach Washington wird Grenell nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die Amtsgeschäfte in vollem Umfang fortführen. Es werde erwartet, dass er nach "einigen Monaten" nach Berlin zurückkehren werde, sobald ein neuer Geheimdienstdirektor benannt und vom US-Senat bestätigt worden ist.

Grenell gilt als loyaler Anhänger Trumps und nutzte sein Amt immer wieder, um im Sinne Trumps die Politik der Bundesregierung zu kritisieren. In seiner Abwesenheit wird seine Stellvertreterin in Berlin, die Gesandte Robin Quinville, Termine für ihn wahrnehmen.

Einblick in die Sitten Washingtons

Der außenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, rechnet damit, dass Grenell auch in Zukunft eine wichtige Rolle in den deutsch-amerikanischen Beziehungen spielen wird. Er habe sich nicht an alle diplomatischen Gepflogenheiten gehalten, sagte Nouripour dem SWR. "Es war sehr lehrreich, ihm zu lauschen, weil er den Ton aus dem Weißen Haus hier eins zu eins wiedergegeben hat."

Streit um 5G-Netz erwartet

Auch in Grenells neuer Rolle als Geheimdienstdirektor rechnet Nouripour mit Konflikten: "Er hat die letzten Wochen sehr stark davon geredet, dass - wenn Deutschland nicht die Vorstellungen der Amerikaner beim 5G umsetzt - die Amerikaner viele der geheimdienstlichen Informationen, die sie bisher mit uns teilen, in Zukunft nicht mehr teilen werden."

Dabei geht es um den Umgang mit dem chinesischen Mobilfunkkonzern Huawei und die Frage, ob dieser von der Entwicklung eines 5G-Netzes in Deutschland ausgeschlossen wird.

"Ich kann nur an die amerikanische Seite appellieren, nicht nur von Freundschaft zu sprechen und dann, wenn es konkret wird, einfach nur die Preise diktieren zu wollen, denn so funktioniert Freundschaft nicht."

Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter der Grünen

"Deutschland auf USA angewiesen"

Nouripour, der auch im Vorstand des deutsch-amerikanischen Freundschaftsvereins Atlantik-Brücke sitzt, sagte weiter, er sei gespannt, wie sich Grenell jetzt in der neuen Position mache. Deutschland sei sehr auf die Amerikaner angewiesen, aber diese wollten auch nicht alle Probleme der Welt alleine angehen.

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