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Wegen der mutmaßlich schlechten Akzeptanz von Astrazeneca in der Bevölkerung war im Gespräch, den britischen Impfstoff an alle - ohne Impfreihenfolge - verimpfen zu lassen. Die Forderung scheint so gut wie vom Tisch.

Die Aufregung war groß, als vor einigen Tagen mehrere Ministerpräsidenten verlangten, die Impfreihenfolge aufzuweichen, weil - unter anderem aufgrund des schlechten Image von Astrazeneca - der britische Impfstoff ungenutzt herumliege. Man könne es sich nicht leisten, dass Impfstoff herumstehe, weil manche Berechtigten ihn ablehnten, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) der "Welt am Sonntag". In diesen Fällen müsse man auch Menschen impfen, die nach der Priorisierung noch nicht an der Reihe seien.

Noch radikaler äußerten sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) - beide mit der Forderung, den Impfstoff von Astrazeneca für alle frei zu geben, die ihn wollen.

Astrazeneca plötzlich kein Ladenhüter mehr

Doch mittlerweile scheint sich die Stimmung gedreht zu haben. So teilte das baden-württembergische Gesundheitsministerium mit, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich gewachsen sei. Man liege in absoluten Zahlen nun an dritter Stelle bundesweit, was die Verimpfung von Astrazeneca angehe. Die Nachfrage nach Terminen sei sehr hoch. Zeitweise sei an der Hotline deshalb kein Durchkommen. Auch mehrere Virologen, unter anderem der medizinische Vorstand des Stuttgarter Klinikums, wandten sich gegen eine solche Initiative.

Zuvor hatten schon andere Bundesländer von positiven Erfahrungen mit Astrazeneca berichtet, so zum Beispiel Rheinland-Pfalz und Thüringen. Zudem hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag eine Freigabe von übrig gebliebenem Impfstoff für alle abgelehnt.

Das Thema wird bei den nächsten Bund-Länder-Besprechungen am Mittwoch aber wahrscheinlich dennoch eine Rolle spielen, berichtet Uli Hauck aus Berlin.

Mehr als eine Million Impfdosen von Astrazeneca ungenutzt

Laut Gesundheitsministerium sind von den 1,4 Millionen Astrazeneca-Impfdosen wegen des anfänglichen schlechten Images erst 15 Prozent genutzt worden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte den Impfstoff zunächst mangels ausreichender Daten nicht für Menschen ab 65 Jahren empfohlen.

Der Vorsitzende der Stiko, der Ulmer Virologe Thomas Mertens, hatte Ende letzter Woche aber angekündigt, den Impfstoff von Astrazeneca schon bald auch für ältere Menschen empfehlen zu wollen. "Das ist möglich und das werden wir auch tun", sagte Mertens.

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