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Ab heute müssen Bauern strengere Regeln beim Düngen ihrer Felder beachten. Damit soll das Grundwasser besser geschützt werden. Wegen der Corona-Krise werden wichtige Teile der verschärften Regeln allerdings erst später umgesetzt.

In Deutschland ist an vielen Orten das Grundwasser schon seit Jahren stark mit Nitrat belastet. Zu stark für die Vorgaben der EU. Deshalb machte die EU-Kommission Druck, klagte Deutschland 2018 beim Europäischen Gerichtshof an und bekam Recht. Angesichts drohender Strafzahlungen hatte der Bundesrat dann Ende März nach langem Streit den neuen Regeln zugestimmt. Heute treten sie in Kraft.

Was ist neu?

Mit den neuen Regeln werden unter anderem die Zeiten beschränkt, in denen überhaupt gedüngt werden darf. Auch müssen nun größere Abstände zu Gewässern eingehalten werden und für manche Flächen gibt es Obergrenzen.

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Wichtiger Teil der neuen Regeln kommt wegen Corona-Krise erst später

In besonders belasteten, den sogenannten "roten" Gebieten sollen Betriebe auf ihren Flächen insgesamt 20 Prozent weniger düngen. Doch dieser Teil der neuen Verordnung gilt - wegen der Corona-Krise und der Debatte um Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln - erst ab dem 1. Januar 2021. Darüber hatte sich die Bundesregierung mit der EU-Kommission verständigt. Bis zum Jahreswechsel müssen diese "roten" Gebiete feststehen.

Kritik von den Bauern

Viele Bauern fürchten zusätzliche Belastungen und Ernteeinbußen durch die strengeren Vorgaben. Bauernpräsident Joachim Rukwied betonte, dass die Landwirtschaft auch in Krisenzeiten für sauberes Trinkwasser stehe. Er kritisierte aber erneut fachliche Mängel der Verordnung, die eine bedarfsgerechte Düngung in bestimmten Gebieten verbiete. Dies werde "Qualität und Menge der Ernten kosten und die Lebensmittelerzeugung in Deutschland schwächen". Laut Rukwied sind Nachjustierungen der Messnetze und eine exakte und kleinräumige Abgrenzung sensibler Gebiete notwendig.

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