Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Neue Doppelspitze bei den Grünen. Ein Kommentar

Grünes Herz für Studienabbrecher

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Martin Rupps

Die Lebensleistungen von Ricarda Lang und Omid Nouripour rechtfertigen nicht ihre Berufung an die Grünen-Spitze, meint Martin Rupps. Jugend ist ein Glück, kein Verdienst. Ein Migrationshintergrund ein Schicksal, aber keine Leistung.

Ricarda Lang und Omid Nouripour, das neue Führungsduo der Grünen, bilden ein Traumpaar an biographischer Vielfalt. Ricarda Lang: 28, Tochter einer alleinerziehenden Mutter, bisexuell, Diskriminierungs-Opfer wegen ihrer Leibesfülle, zuständig für Frauenpolitik. Omid Nouripour: 46, Familienvater, Migrationshintergrund (die Eltern verließen den Iran, als er 13 war), Muslim, zuständig für Außenpolitik. Blöd nur, dass diese Eigenschaften allein noch keine gute Politikerin, keinen guten Politiker machen. Geschweige denn eine Berufung nahelegen an die Spitze einer Partei, die der Bundesregierung angehört.

Ricarda Lang (Grüne) bei ihrer Vorstellungsrede für den Parteivorsitz. Sie wurde zusammen mit Omid Nouripour gewählt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
Ricarda Lang (Grüne) bei ihrer Vorstellungsrede für den Parteivorsitz. Sie wurde zusammen mit Omid Nouripour gewählt picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Ricarda Lang und Omid Nouripour haben jeweils ihr Studium geschmissen zugunsten grüner Parteiarbeit. Als Berufstätige kennen sie hauptsächlich diesen "Apparat". Das Abitur war ihr letztes Abschlusszeugnis. Ist ein solcher Hinweis noch erlaubt oder schon nicht mehr politisch korrekt? Bisher hielt ich eine abgeschlossene Ausbildung und mehrere Berufsjahre für einen profunden Nachweis, dass Menschen Leistungen erbringen und ihr Leben strukturiert entwickeln können. Und das fehlt bei Ricarda Lang. Natürlich, es gibt politische Wunderkinder ohne Abschluss, Joschka Fischer und Sebastian Kurz. Frau Lang zähle ich nicht dazu.

Omid Nouripour kann eine Latte an Berufsjahren vorweisen - als sachorientierter, mir bis heute weitgehend verborgener Realpolitiker. Sein Parteifreund Konstantin von Notz zum Beispiel hat sich als Netzexperte bundesweit einen Namen gemacht. Ihn hätte ich eher in der Vorsitzenden-Rolle gesehen.

Die Grünen mögen es für einen gesellschaftlichen Fortschritt halten, dass sie Menschen mit in meinen Augen halbgaren Lebensläufen nach oben wählen. Doch Jugend ist ein Glück und kein Verdienst. Ein Migrationshintergrund ein Schicksal, aber keine Leistung.

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