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Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny hat angekündigt, nach Russland zurückzukehren. Für den Politikwissenschaftler und Russlandexperten Fabian Burkhardt geht er damit ein großes Risiko ein: "Herr Nawalny pokert sehr hoch", sagte Burkardt im SWR.

Bereits kurz nach dem Giftanschlag gegen ihn im Sommer hatte Nawalny angekündigt, dass er trotz allem wieder nach Russland zurück wolle. Der Kreml-Kritiker wurde damals unter anderem in der Berliner Charité behandelt.

Nach Einschätzung des Russlandexperten Burkardt bestehe nicht nur die Gefahr, dass Nawalny direkt nach der Ankunft in Untersuchungshaft genommen wird, weil dort verschiedene Strafverfahren gegen ihn laufen. "Der Einsatz, den Nawalny hier ins Spiel wirft, ist unter anderem sein Leben", so Burkhardt. Dieses Risiko nehme dieser aber bewusst in Kauf.

Kann Nawalnys Prominenz ihn schützen?

Ob Nawalny vor weiteren Angriffen gegen sein Leben geschützt ist, weil er inzwischen international bekannt ist, "bleibt abzuwarten", meint Burkhardt. Das hänge auch "von der Risiko-Kalkulation des Kreml" ab.

Der Russlandexperte verweist darauf, dass Nawalny es geschafft habe, in seinem Land eine hohe Bekanntheit zu erreichen und ein Netzwerk aus Oppositionellen aufzubauen - doch das habe ihn nicht vor dem Giftanschlag geschützt. "Man darf vermuten, dass das Hauptziel des Kremls ist, bei den Duma-Wahlen im September so wenige Risiken wie möglich einzugehen", erläutert Burkhardt. Deshalb dienten die Aktionen gegen Nawalny auch als Drohkulisse gegen andere Oppositionspolitiker. Das Signal sei klar:

"Wer sich nicht an unsere Spielregeln hält, der muss mindestens mit Strafverfahren rechnen, und im bedrohendsten Fall kann sogar der Tod vor der Tür stehen."

Fabian Burkhardt, Leibniz Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, über die Botschaft des Kreml an Kritiker

Nawalny als größte Gefahr für Putin

Nach Meinung von Burkhardt ist Nawalny vor allem deshalb eine Bedrohung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, weil er es geschafft habe, dass Menschen auf die Straße gehen. Er stelle bei Wahlen eine politische Konkurrenz dar. Außerdem sei es Nawalny gelungen, "unabhängig vom kontrollierten Staatsfernsehen eine Plattform auf Youtube aufzubauen." Deswegen werde alles versucht, Nawalny nicht zu einer politischen Kraft in Russland werden zu lassen.

"Rachegelüste" und "Angst schüren"

Der Russlandexperte sieht in den Aktionen gegen Nawalny zum einen "gewisse Rachegelüste" von Präsident Putin, weil sich der Kreml-Kritiker nicht an die Spielregeln halte. Man müsse aber auch davon ausgehen, dass Angst geschürt werden solle, "da es hier wirklich ans Eingemachte geht, nämlich um die Macht und den Machterhalt von Putin und Russlands Elite", so Burkhardt.

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