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Neue Straßen, neue Schienen, neue Häuser - vielerorts macht sich der Mensch breiter. Die Natur muss weichen - oder umsiedeln. Damit das aber gut klappt, braucht es einiges.

Ein neuer Lebensraum für Tiere muss ihnen in erster Linie genügend Platz bieten. Man muss also vorher wissen, wie viele Tiere umgesiedelt werden sollen. Außerdem muss die Einrichtung des neuen Habitats stimmen: Es müssen etwa die passenden Hecken oder Sträucher für die Tiere wachsen, die ihnen genügend Schutz bieten, etwa Nistplätze für Vögel. Eidechsen benötigen passenden Ritzen oder Steinhaufen.

Neuer Lebensraum und Zeitpunkt des Umzug müssen genau passen

Der Umzug muss genau zum passenden Zeitpunkt stattfinden. Nicht ausgerechnet dann etwa, wenn die Tiere gerade nisten oder ihren Winterschlaf halten. Der Feldhamster beispielsweise sollte umgezogen werden, wenn er gerade oberirdisch aktiv ist. Es darf aber auch nicht zu spät im Sommer sein, damit der Hamster noch genügend Wintervorräte in seinem neuen Lebensraum anlegen kann.

Eine Mauereidechsen sonnt sich auf Steinen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sina Schuldt/dpa)
In Stuttgart gibt es laut einer neuen Studie rund 140 000 Mauereidechsen. Für das Bahnprojekt Stuttgart 21 sollte die Bahn 6000 Tiere umsiedeln. picture alliance/Sina Schuldt/dpa

Die Tiere brauchen grundsätzlich geschützte Plätze, Sonnenplätze sowie Stellen, an denen sie etwa ihre Eier ablegen können. Aber vor allem auch Plätze, wo sie genügend Nahrung finden oder Beute machen können.

Planung der Umzugsmaßnahmen ist kompliziert, langwierig und teuer

Die Sonne scheint auf der Baustelle der Filstalbrücke am Aichelberg hinter der Betonverschalung, in die die Brücke gegossen wird.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Umgesiedelt werden müssen Tiere etwa im Rahmen des Großbauprojektes "Stuttgart 21". picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Diese Faktoren muss man bedenken, wenn man Tiere, die bei einem Bauprojekt stören, woanders unterbringen will. Denn wenn es zu eng wird an dem neuen Platz, wenn es dort an Futter mangelt, kein Nest gebaut werden kann - dann gibt es auch keine Nachkommen und für die umgesiedelte Population sieht es schlecht aus.

Tiere und Baustellen Wenn Bauprojekte Lebensraum zerstören

Purpurreiher im Schilf (Foto: Daniel Hubatsch)
Die größte Kolonie von Purpurreihern in Rheinland-Pfalz könnte vom Bau einer zweiten Rheinbrücke bei Karlsruhe bedroht sein. Das befürchtet der BUND Rheinland-Pfalz und hat deswegen vor dem Oberverwaltungsgericht des Landes geklagt. Die Kolonie habe sogar nationale Bedeutung, so die Tierschützer. Daniel Hubatsch Bild in Detailansicht öffnen
Zwei europäische Vogelschutzgebiete und ein FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Gebiet) könnten durch den Bau der neuen Trasse zur neuen Rheinbrücke beeinträchtigt werden. Auch Eisvögel (Bild), Zwergdommeln und Waldkäuze wären beispielsweise betroffen. Bereits in der Vergangenheit haben Tierschutzklagen zahlreiche Bauprojekte beeinträchtigt. picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Ein unscheinbares Tierchen namens Mopsfledermaus hat vor Jahren für Wirbel am Flughafen Frankfurt-Hahn gesorgt. Für die Ausweitung der Start- und Landebahn mussten Bäume gefällt werden, die Heimat für viele der seltenen Flattertierchen waren. Allerdings konnte weitergebaut werden, da das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz urteilte, dass die Fledermäuse Ausweichmöglichkeiten hätten und der Lebensraum somit nicht in Gefahr wäre. (c) dpa Bild in Detailansicht öffnen
Der geplante Bau von Windkraftanlagen auf der Gemarkung Breitenbach an der saarländisch-rheinland-pfälzischen Grenze musste abgebrochen werden. Bei einem naturschutzrechtlichen Gutachten haben die Behörden einen besetzten Horst des sehr seltenen Schwarzstorchs mit Jungvögeln entdeckt. (c) dpa Bild in Detailansicht öffnen
Wildlebende Feldhamster sind inzwischen im Südwesten praktisch ausgestorben. Damit sie nicht ganz verschwinden, werden sie nachgezüchtet und ausgewildert. Eine Kolonie Feldhamster blockierte jahrelang einen Gewerbepark in Mainz. Auch in Mannheim sorgten die Tiere dafür, dass die Ausweitung des Messegeländes und der Bau eines Sportparks ausgesetzt werden mussten. picture alliance/Uwe Anspach/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Der auch Eremit genannte Juchtenkäfer ist ähnlich groß wie ein Mistkäfer und fühlt sich besonders in jahrhundertealten Eichen wohl. Am Rand des Baufeldes für den Tiefbahnhofstrog des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 sollten 20 Bäume stehen bleiben und mit einem 1,80 Meter hohen Zaun umfriedet werden, so dass die Tiere ungestört bleiben. (c) dpa Bild in Detailansicht öffnen
Für Teile des Bahnprojekts Stuttgart 21 mussten tausende Mauereidechsen umgesiedelt werden. Die Bahn hat sich verpflichtet, das Gelände, in dem die Tiere jetzt wohnen, zu pflegen und 30 Jahre lang zu überwachen. Insgesamt 3,7 Millionen Euro kostet das die Bahn. picture alliance/Sina Schuldt/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Auerhuhns haben die Behörden dem geplanten Bau von fünf Windrädern auf dem Schwarzwaldberg Gschasikopf bei Elzach im Kreis Emmendingen eine Absage erteilt. Aus Gründen des Natur- und Tierschutzes könnten die vom norddeutschen Windradhersteller Enercon beantragten Windkraftanlagen nicht genehmigt werden. (c) dpa Bild in Detailansicht öffnen

Eben mal umsiedeln - das geht jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Solche Maßnahmen müssen sehr gründlich vorbereitet werden und genau durchdacht sein. Dieser Aufwand kostet am Ende viel Zeit und Geld.

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