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Krank werden im Krankenhaus Multiresistente Keime in Kliniken

Wenn ein Patient ins Krankenhaus kommt, dann hofft er darauf, dort wieder gesund zu werden - manch einer aber wird erst in der Klinik so richtig krank. Warum grassieren überhaupt so viele gefährliche Keime in unseren Krankenzimmern?

Eine Hand hält eine Petrischale mit einer hellen Lösung mit roten Bakterienkolonnien

Landesuntersuchungsamt: 2012 steckten sich mehr als 150 Patienten im Land mit Krankenhauskeimen an (Symbolbild)

Im Alltag sind wir ständig von Keimen umgeben - aber nirgends tummeln sich so viele Erreger auf engstem Raum wie im Krankenhaus. Besonders gefürchtet sind die sogenannten MRSA-Keime - das sind Eiterbakterien, bei denen die meisten Antibiotika versagen und die deshalb nur schwer in den Griff zu bekommen sind.

Ärzte verschreiben zu schnell Antibiotika

Bei deutschen Patienten finden sich diese tückischen Erreger viel häufiger als in Skandinavien und den Niederlanden. Experten führen das darauf zurück, dass deutsche Ärzte deutlich schneller Antibiotika verordnen als zum Beispiel ihre schwedischen Kollegen; so können gefährliche Erreger leichter Resistenzen entwickeln.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene schätzt, dass sich 900.000 Patienten jährlich mit Klinik-Keimen infizieren. 30.000 Kranke sterben daran. Das Bundesgesundheitsministerium geht dagegen von höchstens 15.000 Toten aus.

Auch bösartige Darmkeime, die ESBL-bildenden Bakterien, stellen deutsche Kliniken zunehmend vor Probleme: durch mangelnde Hygiene können sie vom Darm an andere Orte im Körper vordringen und Lungenentzündungen oder Harnweginfekte verursachen. Ganz fatal ist es, wenn sie nach einer Operation in offene Wunden gelangen.


Mangelnde Händehygiene Ursache für viele Erkrankungen

Experten gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel aller Krankenhausinfektionen vermeidbar ist. Als wichtigste Fehlerquelle gilt mangelnde Händehygiene: eigentlich müssen sich Ärzte und Pflegekräfte vor und nach jedem Patientenkontakt gründlich die Hände desinfizieren – auf unterbesetzten Stationen fehlt dafür oft die Zeit.

Auch bei der Reinigung von Patientenzimmern und Operationssälen spielen Zeit- und Kostendruck eine Schlüsselrolle: Die meisten Krankenhäuser beschäftigen nur noch externe Reinigungsfirmen.

Gesundheitsministerium will gegensteuern

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will nun mit einem 10-Punkte-Plan gegensteuern. Dabei sollen Kliniken besser kontrolliert werden und Patienten vor einem planbaren Klinikaufenthalt auf multiresistente Keime untersucht werden. Außerdem soll es verpflichtende Fortbildungen für Ärzte und das Pflegepersonal in Kliniken und den Arztpraxen geben.

Online: Dimi Triantafillu