STAND
AUTOR/IN

Nach der Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum neuen thüringischen Ministerpräsidenten mit Unterstützung der AfD reißt die Kritik nicht ab - und das aus fast allen Parteien.

Viele Politiker fordern Neuwahlen in Thüringen. Im ARD-Morgenmagazin aber sagte der frisch gewählte, thüringische Ministerpräsident Thomas Kemmerich, er wolle regieren. Der FDP-Politiker war mit Stimmen der CDU, aber auch der rechtspopulistischen AfD gewählt - auch wenn er sich selbst von letzterer Partei und ihren politischen Ansichten distanziert. Die Wahl sorgt bundesweit für Streit in der Politik.

SPD-Vorstandsmitglied Breymaier sieht Groko belastet

Die baden-württembergische SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier hat die Wahl Kemmerichs scharf kritisiert. Breymaier, die auch SPD-Vorstandsmitglied ist, sagte im SWR: "Ich glaube, dass das Verhältnis in der Großen Koalition heute Morgen ein anderes ist als gestern Morgen.

Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ein CDU-Landesverband oder eine Landtagsfraktion in der Weise agiert, wie in Thüringen agiert wurde." Zuvor hatte es aus Berlin deutliche Hinweise an die CDU in Thüringen gegeben, dass ein solches Wahlergebnis möglich wäre.

Die Beziehungen zur CDU wären allerdings noch komplizierter, wenn sie sich verhielte wie die FDP, so Breymaier: "Wenn aus der CDU Äußerungen kämen wie aus der FDP von Herrn Kubicki mit diesem Herumschwadronieren von der Mitte, dann wäre das Verhältnis noch belasteter."

Ex-Bundesinnenminister Baum: AfD-Unterstützung war vorhersehbar

Auch der FDP-Politiker und frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum hat mit Unverständnis auf die politischen Ereignisse in Thüringen reagiert. Im SWR sagte er: "Es ist eine Situation eingetreten, in der die Republik, vor allem aber auch die FDP, Schaden genommen hat."

Sein Parteikollege Thomas Kemmerich und die FDP hätten sich nicht darauf einlassen dürfen, in Thüringen bei der Wahl zum Ministerpräsidenten die Unterstützung der AfD zu bekommen. Dass es diese Unterstützung geben könnte, sei vorhersehbar gewesen.

Zukunft der FDP schwer vorherzusagen

Schwierig wird nach Ansicht Baums die Zukunft der FDP. Hier liege die Last nun auf dem Parteichef: "Parteichef Lindner wird große Mühe haben, die Glaubwürdigkeit der liberalen Partei wieder herzustellen. Und wie die FDP damit jetzt umgeht, wird entscheidend sein dafür, wie sie bei den nächsten Wahlen abschneidet."

Thüringer FDP will Landtag auflösen Baden-württembergischer FDP-Chef Theurer fordert Neuwahlen in Thüringen

Nach dem Wahl-Eklat in Thüringen will Ministerpräsident Kemmerich sein Amt aufgeben. Zuvor hatte unter anderem der Vorsitzende der baden-württembergischen FDP, Michael Theurer, seinen Rücktritt gefordert.  mehr...

Politisches Beben in Thüringen Bundespolitiker aus der Region reagieren unterschiedlich auf Wahl des Ministerpräsidenten

Die Reaktion von Bundespolitikern aus der Region auf die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen ist uneinheitlich: Ein FDP-Politiker wirbt um Verständnis, andere üben scharfe Kritik.  mehr...

Nach Wahl-Eklat in Thüringen Münsinger FDP-Politiker erleichtert über Entwicklung in Thüringen

Mit den Stimmen der AfD ist Ministerpräsident Kemmerich gerade erst gewählt worden. Jetzt will er sein Amt aufgeben. Zuvor hatten Politiker aus den Kreisen Freudenstadt, Reutlingen und Tübingen Neuwahlen gefordert.  mehr...

STAND
AUTOR/IN