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Nach dem Polizei-Einsatz auf der griechischen Insel Lesbos sind mehrere tausend Menschen aus dem zerstörten Flüchtlingscamp in Moria in ein neues provisorisches Lager gezogen.

170 Polizisten waren ab dem Morgen auf den Straßen von Lesbos von Zelt zu Zelt gegangen, um die obdachlosen Menschen in das neue Notcamp Kara Tepe zu bringen. Unter den Einsatzkräften waren auch Dutzende weibliche Beamte - sie kümmerten sich vor allem um Familien mit Kindern. Die Aktion verlief offenbar friedlich. Das zeigen Bilder im griechischen Fernsehen.

Bei einem Corona-Test, der für alle fällig wird, wurden 135 Personen positiv auf das Virus getestet. Sie werden jetzt getrennt von den anderen im Camp isoliert.

Nicht alle wollten freiwillig gehen

Mit der Aktion wollten die griechischen Behörden, die obdachlos gewordenen Menschen weg von der Straße holen. Dort hausen sie seit dem verheerenden Brand in Moria zu tausenden unter notdürftig gebauten Schutzdächern aus Zweigen oder in Campingzelten. Doch nicht alle von ihnen wollen freiwillig in das neu gebaute Camp gehen. Immer wieder machen Gerüchte unter den Geflüchteten die Runde, sie würden in dem Zeltlager festgehalten und eingesperrt werden.

Insgesamt sind laut Migrationsminister Notis Mitarakis nach der Aktion inzwischen knapp 5.000 Migranten in dem neuen Camp - inklusive jener, die in den vergangenen Tagen freiwillig dorthin umgezogen waren.

Der Chef der griechischen Gesundheitsbehörde erklärte am Donnerstag in einem Radio-Interview: "Wir müssen die Menschen in das neue Lager holen - wenn sie auf der Straße ausharren, ist das eine Bombe in Sachen Hygiene."

Die Furcht, erneut festzusitzen

Seit dem Wochenende bauen die griechischen Behörden gemeinsam mit den UN an der neuen, vorläufigen Unterkunft auf einem ehemaligen Militärgelände. Sie liegt nur wenige Kilometer von der Inselhauptstadt Mytilini entfernt.

In den großen Zelten sollen etwa 8.000 Personen Platz finden. Viele Menschen weigern sich, in das Camp zu gehen. Sie fürchten, dort wieder monatelang festzusitzen. Stattdessen fordern sie, aufs Festland gebracht zu werden.

In dem neuen Lager sollen nach Angaben der griechischen Regierung die Asylverfahren für die Migranten wieder aufgenommen werden. Alle, die dort unterkommen, werden registriert und auf das Coronavirus getestet.

Kein Zugang zu Migranten?

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete, ihren Mitarbeitern sei in der Nacht auf Donnerstag der Zugang zu den Migranten verwehrt worden. "Ein Polizeieinsatz ist im Gange, um die Flüchtlinge ins neue Lager zu bringen. Das sollte aber nicht medizinische Hilfe verhindern", kritisierte die Organisation auf Twitter.

Anhörung von mutmaßlichen Brandstiftern

Nach dem Brand in dem völlig überfüllten Flüchtlingslager in Moria vergangene Woche waren rund 12.000 Migranten obdachlos geworden. Wegen mutmaßlicher Brandstiftung sollen am Samstag vier junge Männer aus Afghanistan angehört werden.

"Moria ist nicht normal, aber Migration ist normal. Es ist etwas, das wir bewältigen können."

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson

Die schwedische EU-Innenkommissarin Ylva Johansson forderte angesichts der Lage auf Lesbos eine neue Asyl- und Migrationspolitik. Eine Situation wie in Moria dürfe sich nicht wiederholen. In der kommenden Woche will die EU-Kommission dafür neue Vorschläge vorlegen.

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