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Milchbauern in der Krise Weniger Milch, zwei Cent mehr?

Für einen Liter Milch bekommen Milchbauern derzeit nicht einmal 30 Cent - zu wenig zum Überleben. Das Thema beschäftigt die Regierung, aber noch fehlt es an konkreten Maßnahmen.

Rinder der Rasse Fleckvieh

Fleckviehrinder werden in der Milch- und Fleischproduktion genutzt.

SWR-Moderator Pascal Fournier hat mit Friedrich Ostendorff, der selbst Landwirt und agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion ist, über die Milchpreiskrise gesprochen.

SWR: Warum ist es so schwer, einen Weg aus der Milchkrise zu finden?

Friedrich Ostendorff: Ja und sie geht immer weiter leider, weil die Menge, die ermolken wird, nach wie vor steigt. Bauern und Bäuerinnen reagieren leider so auf die Preisrückgänge, dass sie sagen: Ich verteile es auf mehr Liter - sprich auf mehr Menge - und versuche damit betrieblich zu überleben. Da ist viel zu viel am Markt, und das ist die eigentliche Ursache des völligen Preisverfalls.

Das heißt, wir haben mehr Milch, als der Markt braucht. Dann gibt es zwei Möglichkeiten daraus zu kommen. Das eine wäre den Markt zu vergrößern oder die Milchmenge zu verringern? Was ist mit der Marktvergrößerung - Stichwort: Export?

Frische Vollmilch

Wie kann der Absatz gesteigert werden?

Das wäre eine Möglichkeit. Die jetzige Bundesregierung hat für diese Misere immer als Ausweg den Export gepriesen. Die Exportmärkte funktionieren nicht immer wirklich. Russland ist gesperrt als ein ganz wichtiger Exportmarkt. Und China hat im Moment eine massive Wirtschaftskrise und ist nicht in der Lage, große Mengen am Weltmarkt zu kaufen, weil die Mittel nicht da sind.

Bleibt als Alternative die Verringerung der Milchmenge?

Ja, das ist unserer Meinung nach das Gebot der Stunde. Als Grüne haben wir zusammen mit der Bundestagsfraktion und den europäischen Agrarpolitikern einen Vorschlag gemacht: Die Milchmenge für die Betriebe, die ihre Absatzmenge freiwillig reduzieren, sollen zwei Cent auf den Milchpreis drauf gelegt werden.

Das ist eine Nothilfemaßnahme. Es sterben so irrsinnig viele Betriebe momentan wegen dieser Situation. Wir haben eine Ausstiegsrate von fast fünf Prozent. Das würde bedeuten, wir haben in weniger als zehn Jahren nur noch die Hälfte der Betriebe. Wenn das so weiter geht...

In der Vergangenheit haben wir eine Milchquote gehabt, bei der gegen Milchbauern, die zu viel Milch geliefert haben, Strafzölle erhoben worden sind. Dieses Geld ist da. Da liegt fast eine Milliarde irgendwo in Brüssel. Das würde niemanden reich machen, aber es würde erst mal helfen, dass die Betriebe nicht morgen zu machen müssen.

Im Biosegment hat sich der Milchmarkt stabilisiert. Da hat er sich vom Preisverfall abgekoppelt. Warum macht das nicht mehr Schule?

Milchproduktion

Es wird zu viel Milch produziert.

Der Biomilchmarkt ist momentan dazu in der Lage. Wir wollen hoffen, dass es so bleibt. Er erzeugt sogar ein bisschen weniger Milch als nachgefragt. Denn nach wie vor ist Biomilch ein knappes Gut.

Natürlich ist jetzt der Run auf Umstellung da, weil konventionelle Betriebe in ihrer Not sagen, dann stelle ich eben um. Aber sie sagen zu recht, dass es ein langer Prozess gewesen ist, den Markt für Biobetriebe so stabil hinzubekommen. Man darf jetzt nichts überstürzen, denn sonst würde auch dieser Markt sehr schnell völlig auseinander fliegen, wie wir das im konventionellen Bereich leider haben.

Online: Peter Mühlfeit, Elke Harter und Christine Trück

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