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Die Rechnung von Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) ist einfach: Sinkt für die Verbraucher der Preis für fair gehandelten Kaffee, steigt der Konsum. Geht das auf?

Es ist eine Idee, um gegen ausbeuterische Arbeit auf den Kaffeeplantagen vorzugehen: Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), beide derzeit zu Besuch in Äthiopien, finden es ungerecht, dass die Menschen, die dort auf den Plantagen arbeiten, lediglich 50 Cent für ein Kilo Kaffee bekommen. Der Verkaufspreis liege dagegen bei acht Euro, deshalb brauche es faire Löhne, "damit die Menschen eine Zukunft haben", so Müller.

Kaffeesteuer abschaffen - zu geringer Effekt?

Entwicklungshilfeminister Müller hat deshalb vorgeschlagen, die Kaffeesteuer auf fair gehandelte Produkte abzuschaffen. Dadurch könne eine 500-Gramm-Packung dieses Kaffees rund einen Euro billiger werden.

Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut in Bonn, das sich für soziale Gerechtigkeit in der Wirtschaft einsetzt, hält den Effekt für nicht ausreichend. Im SWR sagte Hütz-Adams, eine Preissenkung über die Kaffeesteuer, bringe nur etwas für zertifizierte Produkte. "Wir brauchen das aber für den gesamten Sektor", so Hütz-Adams.

25 Millionen Familien leben weltweit vom Kaffee

Der Kaffeeexperte des Südwind-Instituts sagt, dass der "Arabica-Anteil" pro Tasse Kaffee bei lediglich zwei Cent liege. "Wenn wir dafür sorgen würden, dass der Kaffeepreis bei den Bäuerinnen und Bauern deutlich steigt, dann würden wir uns hier Kaffee immer noch sehr gut leisten können." Weltweit, so Hütz-Adams, seien 25 Millionen Familien direkt oder indirekt von der Ernte und Produktion des Kaffees abhängig.

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