Stefan Giese (Quelle: SWRChristian Koch) (Foto: SWR)

Höhere Preise im Nahverkehr. Ein Kommentar

Mehr Busse für weniger Geld!

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Bus- und Bahnfahrten sollen fast überall teurer werden. Dabei ist ein besserer und auch preiswerterer Nahverkehr gefragt, meint Stefan Giese.

Nicht nur für Lebensmittel, Strom und Brennstoffe müssen Verbraucherinnen und Verbraucher immer tiefer in die Tasche greifen. Auch der Nahverkehr soll nach dem Willen der meisten Verkehrsverbünde teurer werden. Sie erhöhen zum Jahreswechsel die Preise für Fahrten mit Bus und Bahn um bis zu 5,5 Prozent. Im Raum Stuttgart (VVS) sollen es 2,5 Prozent mehr sein, im Raum Mainz (RMV) "nur" 1.5 Prozent.

Der öffentliche Nahverkehr ist vielerorts schlecht, aber bald teurer (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Der öffentliche Nahverkehr ist vielerorts schlecht, aber bald teurer picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

An Begründungen für die Preiserhöhungen mangelt es den Verkehrsverbünden nicht. Sie argumentieren, auch sie müssten für Strom und Treibstoff mehr bezahlen, der Passagierrückgang durch Corona schlage zu Buche und es gebe vielerorts neue Angebote. Vor allem das dritte Motiv kann ich nur als Verhöhnung der Bus- und Bahnkunden verstehen. Eine erst vor wenigen Tagen vorgestellte Studie besagt, dass rund 55 Millionen Menschen in Deutschland keine ausreichende Anbindung an den Nahverkehr haben. Nicht einmal die Hälfte der Haltestellen auf dem Land würde mindestens einmal in der Stunde angefahren.

In dieser Situation die Preise zu erhöhen, bedeutet nichts anderes, als ein schlechtes Angebot teurer zu machen – und damit unattraktiver. Dabei wäre es meines Erachtens richtig und wichtig, wenn viel mehr Menschen von ihren Autos auf den öffentlichen Nahverkehr umstiegen. Das würde das Klima ebenso entlasten – rund ein Viertel der CO2-Emissionen in der EU stammt aus dem Straßenverkehr – wie die verstopften Innenstädte. Und nicht zuletzt die Nerven der Pendler und Pendlerinnen auf dem Land.

Darum brauchen wir mehr, besseren und preiswerteren Nahverkehr - auch um den Preis, dass dafür Kommunen und Länder tiefer in den Steuersäckel greifen müssen. Aber davor schreckt selbst ein grüner Verkehrsminister zurück, um an anderer Stelle das hohe Lied auf einen starken Nahverkehr zu singen. Dass sie hier die Chance verpassen, den von steigenden Lebenshaltungskosten gebeutelten Verbraucherinnen und Verbraucher entgegenzukommen, stört die Verantwortlichen offensichtlich nicht weiter.

So bleibt es dabei: Wenn schon alles teurer wird, dann doch auch der Nahverkehr - selbst der mit einem ausnehmend miesen Angebot.

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