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Medikamente gegen bakterielle Erkrankungen Das Problem mit den Antibiotika-Resistenzen

Wir nehmen viel zu oft Antibiotika - auch wenn wir nur eine Virusinfektion haben. Dagegen ist dieses Medikament völlig wirkungslos. Eine erweiterte Antibiotika-Strategie soll Resistenzen bekämpfen.

Antibiotika

Bakterielle Infektionen sind bei Resistenzen nicht mehr mit Antibiotika behandelbar

Hintergrund von Susanne Henn, SWR Umwelt und Ernährung

Wenn wir krank oder auch nur angeschlagen sind, wollen wir so schnell wie möglich gesund werden. Oft schlucken wir dann ein Antibiotikum, das es richten soll. Zu oft, sagen Experten schon seit Jahren. Denn häufig würde unser Immunsystem auch allein mit der Krankheit fertig werden oder das Antibiotikum ist völlig wirkungslos - etwa bei einer Virusinfektion.

Mitarbeiterin des Pharmagroßhändlers Celesio mit Medikamenten

Leichtsinniger Umgang mit Medikamenten

Das hat Folgen: Die Erreger gewöhnen sich langsam an das Antibiotikum, ihr Gen-Code passt sich an und sie werden resistent - das Mittel wirkt nicht mehr. Aber die Anzahl der Antibiotika, die es gibt, ist begrenzt und es ist schwer, Neue zu entwickeln.


Tödliche Krankenhauskeime wegen unwirksamer Antibiotika

Antibiotikalabor

Labor für Antibiotika: Die Entwicklung neuer Medikamente ist eine Herausforderung

Mittlerweile haben wir das Problem, dass es bei einigen Erregern, die wirklich schwere Krankheiten auslösen können, kaum mehr Antibiotika gibt, um diese zu behandeln - etwa beim Krankenhauskeim MRSA oder bei verschiedenen Darmbakterien. Solche Krankheiten verlaufen schwerer, länger und enden leider immer öfter auch tödlich. Mehr als 10.000 Menschen sterben deshalb jedes Jahr in Deutschland - am häufigsten trifft es diejenigen, deren Immunsystem ohnehin schon geschwächt war.

Vor Kurzem haben britische Forscher vor einem Typhus-Erreger gewarnt, der sich weltweit auf dem Vormarsch befindet und auf kein Mittel mehr reagiert.

Zu viele Antibiotika in der Tiermast

Hühner in Massentierhaltung

Hühner in Bodenhaltung: Zu wenig Platz, zu viele Antibiotika gegen Krankheiten

Aber es geht nicht nur um die Antibiotika, die wir schlucken, sondern auch um diejenigen, die wir unseren Tieren verabreichen. Gerade in der Massentierhaltung werden die Pillen häufig großflächig eingesetzt. Denn da wo zehntausende von Tieren extrem beengt leben müssen, breiten sich Erreger auch rasend schnell aus - vor allem dann, wenn an der Hygiene gespart wird.

Es gilt als ziemlich sicher, dass resistente E-Coli-Keime, die Darmkrankheiten auslösen, von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Das betrifft in erster Linie Landwirte, Mäster oder Tierärzte.

Neue Kontroll-Mechanismen in der Landwirtschaft

Bei Hühnern, Schweinen und Rindern gibt es bereits erste Maßnahmen, um die Antibiotika-Flut einzudämmen. Ein neues Meldesystem erfasst zum ersten Mal systematisch, wie viele Antibiotika pro Betrieb verfüttert werden. Landwirte, die überdurchschnittlich viel geben, müssen etwas dagegen tun.

Online: Heidi Keller, Sonja Linder