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Medienkritik "Oh du widerliche Bild"

Der Absturz von Flug 4U9525: In den Sozialen Netzwerken wird viel Kritik am Umgang einiger klassischer Medien mit der scheinbar unfassbaren Tragödie geübt.

Von Andreas Boehnisch

"Der Amok-Pilot" lautet die Überschrift. Dazu ein Foto und der vollständige Name plus Alter. Das ist der Titel der "Bild"-Zeitung. Die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung ist mal wieder besonders krass in ihrer Berichterstattung.

Steht Amok-Redakteur Kai Dieckmann jetzt endlich bald auf der Liste der meistgehassten Menschen in Deutschland? - fragt deshalb ein Twitter-User und liefert die Antwort gleich mit: "Er arbeitet daran." Das Boulevard-Blatt wird als Schande für den deutschen Journalismus empfunden. "Oh Du widerliche Bild", schreibt ein anderer Nutzer.

Die Süddeutsche nennt den Namen

Es gibt aber auch Kritik an der Süddeutschen Zeitung, die als einziges seriöses Blatt den Co-Piloten abgedruckt hat. Diese Nennung in vielen Medien, inklusive des Wohnortes und der konkreten Anschrift, könnte auch juristische Konsequenzen haben, sagen Anwälte, weil dadurch auch bekannt ist, wo die Eltern wohnen. Die genießen jedoch absoluten Schutz ihrer Anonymität, weil sie nichts mit der Tat zu tun haben.

Auf der anderen Seite stehen ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit und die Pressefreiheit, denn immerhin ist der Co-Pilot offenbar verantwortlich für den Absturz des Germanwings-Flugzeuges mit 150 Toten. Letztendlich könnten Gerichte entscheiden müssen, ob die Veröffentlichung des vollen Namens von Andreas L. medienrechtlich in Ordnung war.

Pietätlose TV-Bilder?

Am Brunnen gedenken die Menschen auf dem Marktplatz in Westerburg der Opfer des Absturzes von Germanwings Flug 4U 9525.

Blumen und Kerzen am Marktbrunnen in Westerburg

Vielen Twitter-Usern ist diese juristische Diskussion jedoch egal. Sie äußern ihre Medienkritik in deutlichen Worten, intelligent und nachvollziehbar. "Warum müssen Reporter vor der Schule in Haltern stehen? Es sind Kinder, Heranwachsende", schreibt ein Nutzer auf Twitter.

Besonders ärgern ihn Formulierungen im Fernsehen wie: "Leider können wir nicht näher ran an die Schule, aber wir können mal in die Gesichter der trauernden Schüler zoomen." Das empfinden viele als pietätlos.

Es gibt auch Selbstkritik

Die Twitter-User sind dabei durchaus auch selbstkritisch. Einer hat über den Kurznachrichtendienst verbreitet, wo Andreas L. sein Abitur gemacht hat. Der Kommentar darauf von einem anderen Nutzer: "Ein weiterer Fall von Sensationsgeilheit - Hauptsache ich kann was zu dem Co-Piloten sagen", soweit das wörtliche Zitat.

Es gibt aber auch Tweets, die Empathie zeigen. Ein Twitter-Nutzer bittet darum, er möchte mehr über den Piloten erfahren. Er möchte den Namen wissen, denn er will diesen Mann in Erinnerung behalten, der versucht hat, die Insassen in dem Airbus A320 zu retten.

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit