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Um genügend grünen Wasserstoff für die Energiewende im Verkehr zu erzeugen, braucht es nach Ansicht des Bundesverbandes Elektromobilität einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien. Und einen Masterplan - der Energie- und Mobilitätswende verbindet.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte angekündigt, den Ausbau privater Ladesäulen für E-Autos mit Geld aus dem Konjunkturpaket zu fördern. Die Bundesregierung setzt allerdings zugleich auch auf grünen Wasserstoff als Energieträger für den Verkehr, also Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien wie etwa Strom aus Wasser- und Windkraft hergestellt wird.

Wasserstofffahrzeuge benötigen mehr Energie als E-Autos

Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes Elektromobilität, betonte im SWR, in Deutschland müsse die Erzeugung erneuerbarer Energien massiv ausgebaut werden: "Sonst wird das mit dem Wasserstoff überhaupt nicht funktionieren. Dort braucht man enorme Mengen an Energie - etwa das Dreieinhalbfache eines rein elektrisch betriebenen Fahrzeugs."

Zudem fordert Sigl einen Masterplan, der Energie- und Mobilitätswende verbindet: "Dann wären wir tatsächlich auf dem richtigen Weg und könnten dieses System auch exportieren."

Die finanzielle Unterstützung beim Ausbau privater Ladesäulen für E-Autos begrüßt Sigl. Schon vor zwei Jahren sei über das Thema gesprochen worden. "Wir wundern uns, dass es jetzt plötzlich nach Corona geht und vorher nicht ging. Das ist überfällig."

Große Nachfrage nach Elektroautos

Inzwischen sei der Markt für Elektroautos sehr gut angelaufen, berichtet Sigl. "Die Nachfrage ist so enorm, dass die Hersteller nicht hinterherkommen, die Fahrzeuge auszuliefern. Wir haben Wartezeiten bis zu 9, 12 und 15 Monaten." Die Förderung privater Ladesäulen sei auch deshalb ein guter Schritt, weil sie in Kombination mit der Förderung der Fahrzeuge selbst einen weiteren Schub bringen werde.

Konkurrenz zwischen Wasserstoff- und Elektromobilität

Für Werner Diwald, den Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes, ist klar, dass die Wasserstoff-Technologie zunächst im Verkehrsbereich eingesetzt werden sollte. "Volkswirtschaftlich macht das am meisten Sinn", sagte er im SWR - gerade auch im Hinblick auf die Klimaziele für das Jahr 2030. Später sei auch ein Einsatz in Flugzeugen, in der Schifffahrt und in der Industrie denkbar.

Diwald plädiert für den Einsatz grüner Wasserstoff-Technologie: "Wir brauchen eine klimaneutrale Energiewirtschaft. Warum jetzt erst Zwischenschritte eingehen, wenn wir wissen wo wir hinmüssen?" Daher sei es sinnvoll, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Alles andere sei eine Ablenkung von den tatsächlichen Zielen. Hierfür sollte nach Ansicht Diwalds die Politik klare Vorgaben machen.

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