Martin Selmayer läuft hinter EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hinterher (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Thierry Monasse/dpa)

Vor der Europawahl Martin Selmayr - Mächtiger Strippenzieher in der EU-Kommission

Martin Selmayr gehört zu den wichtigsten EU-Beamten, auch wenn ihn kaum einer kennt. Seine Karriere begann im Schlepptau von Jean-Claude Juncker. Ein Porträt von Stephan Ueberbach.

Martin Selmayr war erst Wahlkampfleiter von Jean-Claude Juncker. Dann wurde er Kabinettschef des EU-Kommissions-Präsidenten. Vor gut einem Jahr wurde der Topbeamte im Schnellverfahren zum Generalsekretär der EU-Kommission befördert. Damit ist Selmayr nicht nur Chef von 32.000 Mitarbeitern, sondern auch einer der mächtigsten Deutschen in der EU. Er gilt als Strippenzieher im Hintergrund und als Junckers rechte Hand.

Selmayr hat einen 15-Stunden-Tag

Der Topbeamte ist im EU-Apparat gut vernetzt. Wer Chefmaschinist der EU sein will, muss gute Kontakte haben. Selmayr verhandelt in Washington mit Trumps Wirtschaftsberatern über Strafzölle, in London über den Brexit und in Ankara über den Flüchtlingsdeal der EU mit der Türkei. Der gebürtige Bonner ist ein echtes Arbeitstier. 15-Stunden-Tage sind bei ihm die Regel.

Der Topbeamte gilt als knallhart und rücksichtslos

Martin Selmayr hat allerdings ein Problem: Er ist nicht besonders beliebt. Der Topbeamte gilt als knallhart, selbstbewusst und rücksichtslos. Mitarbeiter nennen ihn angeblich "Fürst der Finsternis". Der ehrgeizige Polit-Manager hat sich viele Gegner gemacht. Und wegen der umstrittenen Hauruck-Beförderung verlangt das Europaparlament seinen Rücktritt.

Selmayr ist überzeugter Europäer

In der Öffentlichkeit zeigt sich Martin Selmayr nur selten. Das ist schade. Wenn er nämlich über die Vorteile und die Chancen eines geeinten Europas redet, dann tut er das immer sehr überzeugt und auch sehr überzeugend.

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