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Marode Straßen Mautpflicht für Fernbusse

Sie sollen für ihre Straßenabnutzung genauso zahlen, wie es auch LKW müssen. Das fordern Verkehrsexperten der Verbraucherzentralen, Bayerns Innenminister Joachim Hermann, CSU, und die Grüne Opposition im Bundestag. Bisher sind die tonnenschweren Busse, die zu Dumpingpreisen kreuz und quer über unsere Straßen rollen, von der Straßenmaut komplett befreit.

LKW-Maut wird auf Bundesstraßen eingeführt

LKW-Maut soll erweitert werden - auch für Fernbusse

Ein einziger Fernreisebus - vollbeladen mit Fahrgästen, 18 Tonnen schwer - schädigt den Asphalt der Straße zigtausendfach so stark wie ein PKW. Bei Brücken ist die Belastung durch Busse sogar noch viel größer. Matthias Gastel, Grüner Bundestagsabgeordneter aus Nürtingen, hat mit anderen Verkehrspolitikern eine Anfrage im Bundestag gestartet:

"Jedes Verkehrsmittel muss seinen Beitrag zur Finanzierung der Infrastruktur leisten. Wir haben da erheblichen Nachholbedarf. Wir wissen, dass es immer mehr Schlaglöcher auf den Straßen gibt und es immer schwerer wird, diese zu finanzieren. Deswegen brauchen wir die stärkere Nutzerfinanzierung. Die Ausweitung der LKW-Maut ist der eine Teil, die Einbeziehung der Busse in die Maut ist der andere Teil."

Die Fernbus-Branche boomt

Marktführer - gemessen an den angebotenen Fahrplankilometern - ist laut Branchen-Verband MeinFernbus mit einem Anteil von 39,7 Prozent - gefolgt von Bussen der Deutschen Bahn (21,7 Prozent), Flixbus (14,8 Prozent) und dem ADAC Postbus (7,5 Prozent).

Mit den Fernzügen der Bahn fuhren im vergangenen Jahr 131 Millionen Passagiere.

Seit im vergangenen Jahr der Markt der Fernreisebusse in Deutschland freigegeben wurde, boomt die Branche. Damals wurde den Unternehmen von der Bundesregierung garantiert, dass sie keine Maut zahlen müssen.

Dass sich das Angebot derart vervielfacht hat, überraschte viele: über 200 Fernbus-Verbindungen gibt es inzwischen. Die Zahl der Linien hat sich im ersten Jahr bereits verdoppelt, die einzelnen Fahrten sogar verdreifacht. 40 Anbieter konkurrieren inzwischen miteinander. Sogar der ADAC ist zusammen mit der Post in dieses Geschäft eingestiegen.

Mehr als drei Millionen Menschen sind bislang bereits in einen Fernbus gestiegen. Es tobt ein knallharter Preiskampf.

Bus-Maut: Ruinös - ja oder nein?

Ein LKW fährt durch eine Mautbrücke durch

Maut soll genauso wie für LKW auch für Busse erfasst werden

Eine Bus-Maut sei schädlich, warnt Matthias Schröter vom Bundesverband deutscher Omnibusunternehmer. "Wir gehen davon aus, dass das Ticket für den Verbraucher um mehr als 20 Prozent steigen würde." Dagegen vermuten grüne Verkehrspolitiker, eine durchschnittliche Fernbus-Fahrkarte würde mit einer Bus-Maut allerhöchstens einen Euro teurer.

Wenn Fernbusse genauso für die Abnutzung der Autobahnen zahlen müssten wie gleichschwere LKW - wenn sie überhaupt zahlen müssen - würden Unternehmen pleite gehen, meint Schröter. "Da es sehr hohe Investitionskosten für die Unternehmer gegeben hat - in moderne Fahrzeugflotten - machen sie derzeit sowieso keinen Gewinn. Diese Situation würde sich deutlich verschlechtern, wenn auch noch Maut gezahlt werden müsste."

Mautbefreiung bedeutet Subvention

Bauarbeiter beheben Schlaglöcher

Schlaglöcher auch durch Busse

Im Grunde ist die Mautbefreiung für die Fernbusse eine versteckte Subvention. Die große Not bei der Finanzierung der Infrastruktur wird die Forderung nach einer Maut für Fernbusse weiter befeuern. Verkehrspolitiker wie Matthias Gastel setzen darauf, dass sie 2016, spätestens 2017 kommt. "Es ist einfach ungerecht wie es montan ist. Ich finde Fernbusse auch gut. Aber es ärgert mich, wenn ich sehe, dass Züge Trassenpreise zahlen müssen, die extrem gestiegen sind in den letzten Jahren. Jede Zugfahrkarte wird auch teurer dadurch, dass man sich an den Infrastrukturkosten für die Schiene beteiligt und der Bus beteiligt sich daran nicht.

Deswegen finde ich es richtig und längst überfällig, endlich die LKW-Maut zu erweitern auf die Busse. Sie nutzen die Straßen genauso ab. Dann sollen sie sich auch an der Finanzierung der Infrastrukturkosten beteiligen."

Liberalisierung zum 1. Januar 2013

Der deutsche Fernbusmarkt war zum 1. Januar 2013 weitgehend liberalisiert worden. Seitdem dürfen private Anbieter im gesamten Bundesgebiet Linienverbindungen zwischen Städten anbieten. Zuvor durften Fernbusse nur auf Strecken eingesetzt werden, auf denen sie der Bahn keine Konkurrenz machten. Beantragen müssen Busunternehmer die Linien aber noch immer. Die Haltestellen müssen zudem mindestens 50 Kilometer voneinander entfernt liegen. Das soll verhindern, dass Fernbusse Routen im öffentlich mitfinanzierten Nahverkehr ansteuern.