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Die Luft in den deutschen Innenstädten ist im vergangenen Jahr deutlich besser geworden. Stickstoff- und Feinstaubwerte sind gesunken, zeigt eine Auswertung des Umweltbundesamtes.

Martin Thiel aus der SWR-Umweltredaktion erklärt, woran es lag, dass die Luftqualität in Deutschland besser geworden ist - und woran es nicht lag:

Es waren in der Tat nicht die Folgen von Corona, dass zum Beispiel der Berufsverkehr zum Teil eingestellt wurde oder es weniger Shoppingtouren in die Städte gab.

Moderne Diesel-Pkw geben deutlich weniger Stickstoffoxide ab

Es lag an den immer sauberer werdenden Dieselautos. Denn die sind die Hauptquelle für Stickstoffoxide in den Städten. Die neuen Modelle halten, was sie versprechen: Diesel der Abgasnormen Euro 6d-TEMP und Euro 6d funktionieren nicht mehr nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße. Das heißt, sie produzieren deutlich weniger Stickstoffoxide (NO2).

Das Umweltbundesamt konnte belegen, dass Software-Updates und eine Flottenerneuerung für eine deutliche Minderung von rund drei Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter verantwortlich sind - und das ist eine ganze Menge.

Umweltbundesamtes: Dieselskandal hat Luftverbesserung verzögert

Genau da schließt sich aber auch die Kritik des Umweltbundesamtes an: Die Grenzwerte zum Gesundheitsschutz wurden bereits 1999 beschlossen, sie müssten also seit 2010 eingehalten werden. Dass die Autohersteller da getrickst haben - Stichwort "Dieselskandal" - ist also einer der Gründe für die quasi Verspätung der Luftverbesserung.

Hamburg und München liegen über den Grenzwerten - Stuttgart vielleicht

2020 werden es weniger als zehn Städte gewesen sein, die die Stickstoffdioxid-Grenzwerte überschreiten - 2019 waren es immerhin 25 Städte. Das heißt, der Jahresmittelgrenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wird voraussichtlich nur noch an rund drei bis vier Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. In Deutschland überschreiten derzeit noch Hamburg und München die Werte.

Stuttgart wird die Grenzwerte wahrscheinlich auch noch überschreiten, weil sogenannte Passivsammler noch ausgewertet werden müssen. Die genauen Zahlen gibt es dann im Mai.

Tempolimits, Fahrverbote, milder Winter

Wegen Stickstoffdioxid-Beslastung wurde einiges versucht, nicht alles hat Wirkung gezeigt. Aber Maßnahmen wie Tempolimits, Fahrverbote für alte Diesel-Pkw oder schadstoffärmere Busse tragen auch ihren Teil zur Luftverbesserung bei.

Dazu kam, dass das Jahr 2020 auch das Jahr mit den geringsten Feinstaubwerten seit Beginn der Messungen war. Der Grund war hier der extrem milde und feuchte Winter. 2020 war laut Deutschem Wetterdienst der zweitwärmste Winter seit Aufzeichnungsbeginn. Auch hier gilt also: Es waren nicht die Corona-Maßnahmen, die zu weniger Feinstaubbelastung beigetragen haben.

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