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Dem Lufthansa-Konzern droht wegen der Corona-Krise das Geld auszugehen. Die Bundesregierung will das Unternehmen mit Milliarden-Hilfen retten. Die angeschlagene Fluggesellschaft hat bestätigt, dass die Gespräche kurz vor dem Abschluss sind.

Die Lufthansa bestätigte in einer Pflichtmitteilung an die Börse, dass das Management aktuell "fortgeschrittene Gespräche" zur konkreten Ausgestaltung eines Stabilisierungspakets führe. Ziel sei es, "zeitnah einen Abschluss" zu erreichen, um die Solvenz des Unternehmens nachhaltig zu sichern. Die Bundesregierung und die Lufthansa verhandeln seit Wochen über Staatshilfen.

Milliardenhilfe und Staatsbeteiligung

Der Umfang des Hilfspakets soll laut Lufthansa bei bis zu neun Milliarden Euro liegen - davon drei Milliarden als Darlehen über die Staatsbank KfW. Außerdem sei eine Beteiligung des Bundes von etwa 20 Prozent geplant. Dann hätte der Bund keine Sperrminorität - er könnte wichtige strategische Entscheidungen nicht blockieren.

Es soll aber eine Wandelanleihe geben - die Option, weitere Aktien zu kaufen. Über diese Konstruktion solle der Staat in die Lage versetzt werden, im Falle des Versuchs einer feindlichen Übernahme eine Sperrminorität aufzubauen, hieß es.

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Kritik von der Opposition

Oppositionspolitiker kritisierten die erwartete Staatshilfe für die Lufthansa. Die Grünen-Politikerin Katharina Dröge spricht von einem sehr schlechten Deal für die Steuerzahler. Der Bund solle der Lufthansa neun Milliarden Euro geben und erhalte trotzdem nur eine Beteiligung von 20 Prozent. Auch der Linken-Politiker Victor Perli moniert, die Bundesregierung zahle der Lufthansa viel Geld für minimalen Einfluss. Dabei werde nicht einmal ausgeschlossen, dass es zu Entlassungen komme.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
7:07 Uhr
Sender
SWR2

Hauptversammlung entscheidet

Über die Kapitalerhöhungen soll laut Lufthansa eine außerordentliche Hauptversammlung entscheiden. Es seien außerdem Auflagen geplant - etwa ein Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen und Beschränkungen der Managementvergütung.

Außerdem sollten zwei Sitze im Aufsichtsrat in Abstimmung mit der Bundesregierung besetzt werden. Dem Stabilisierungspaket müssten Vorstand und Aufsichtsrat der Lufthansa zustimmen. Außerdem stehe es unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Europäische Kommission.

Verlust von 800 Millionen Euro im Monat

Die Lufthansa ist wie die gesamte Branche vom Corona-Schock hart getroffen und verliert derzeit rund 800 Millionen Euro Barmittel im Monat. Von den angeblich vorhandenen Bar-Reserven von mehr als vier Milliarden Euro gehören 1,8 Milliarden Euro eigentlich den Kunden, die auf Erstattungen für nicht durchgeführte Flüge warten.

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