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Die Politik scheut die Kosten für Anti-Corona-Luftfilter in Schulen und verzögert deren Anschaffung. Die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler ist dabei offenbar zweitrangig, meint Stefan Giese.

Wenigstens in Stuttgart scheint die Landesregierung langsam zur Vernunft zu kommen. Sie hat sich nun doch endlich dazu durchgerungen, die Schülerinnen und Schüler des Landes mittels Luftfilter in Klassenräumen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu schützen. Mit immerhin 60 Millionen Euro Fördermittel will sie die Kommunen als Schulträger bei der Beschaffung dieser Filteranlagen unterstützen. Angesichts der vielen Monate mit geschlossenen Schulen, Homeschooling, Wechselunterricht und entsprechend schlechten Lernergebnissen kommt diese Entscheidung ganz sicher nicht übereilt.

Nicht kostenlos, aber wirksam: Luftfilter im Klassenraum (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)
Nicht kostenlos, aber wirksam: Luftfilter im Klassenraum picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

Noch weniger Eile hat die Landesregierung in Rheinland-Pfalz in dieser Frage. Sie ist nach wie vor der Ansicht, dass die angemessene Antwort – eines sich selbst als innovativ wahrnehmenden Hochtechnologielands – auf Corona vor allem darin liegt, die Fenster zu öffnen. "Lüften!" lautet das Mantra in den Schulen, dazu ein bisschen Testen und Abstand halten. So überrascht es nicht, dass während der Corona-Zeit in Rheinland-Pfalz bisher nicht einmal ein Luftreinigungsgerät pro Schule angeschafft wurde.

Längst haben Studien belegt, dass Lüften allein nicht genügt, um das Ansteckungsrisiko in Schulräumen ausreichend zu verringern. Die beteiligten Wissenschaftler empfehlen den Einsatz von Luftfiltern zum Schutz der Schülerinnen und Schüler. Sie weisen zudem darauf hin, dass die Filter nach dem Ende der Epidemie nicht nutzlos seien, sondern auch gegen Feinstaub, Pollen oder Grippeviren wirken. Aber die Anlagen sind eben nicht umsonst zu haben – ganz im Gegensatz zu geöffneten Fenstern oder geschlossenen Schulen.

Das ist wohl Grund genug, die Anschaffung der Filter möglichst lange hinauszuzögern – in der Hoffnung, dass sich das Virus irgendwie von alleine verzieht. Dass diese Hinhaltetaktik auf Kosten der Gesundheit und der Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen geht, scheint da eher zweitrangig zu sein.

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