Manfred Lucha spricht und gestikuliert (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow - Montage: SWR)

Gesundheitsminister Lucha im Interview

Schließung der Impfzentren: "Wir haben die Impfwilligen erreicht"

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Am Freitag schließen die Impfzentren in Baden-Württemberg endgültig. Doch war die Corona-Impfstrategie des Landes ein Erfolg? Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) gibt Antworten.

Am Donnerstag werden noch die letzten Impfwilligen verarztet - dann machen die Corona-Impfzentren in Baden-Württemberg dicht. Ein richtiger Schritt, findet der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch von der SPD. In seinem Bundesland gibt es weiterhin Impfbusse. Außerdem können sich die Menschen in den Arztpraxen impfen lassen. Und wie sieht es in Baden-Württemberg aus? SWR Aktuell hat dazu mit Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) gesprochen.

SWR: Setzen Sie ab Morgen auch auf Arzt und Impfbus?

Lucha: Ja, selbstverständlich. Wir haben in Baden-Württemberg 50 Impfzentren geschaffen. Es war eine Sonderaufgabe, um in sehr kurzer Zeit mit einem kompliziert zu handhabenden Impfstoff viele Menschen zu impfen. Im Übrigen waren es die Ursprungsplanungen aller Länder, schon im April zur Regelversorgung zurückzukehren. Aufgrund der Schwankungen bei den Impfstofflieferungen haben wir, die Länder, uns entschieden, bis zum 30. September am Ball zu bleiben. Und ähnlich wie Rheinland-Pfalz werden wir jetzt 50 mobile Impfteams zur Verfügung stellen und die Kassenärzte unterstützen, mit denen wir eine Willensvereinbarung haben, wenn es Lücken gibt.

Wir haben die Impfwilligen erreicht. Bei vielen, die nicht zum Impfen gehen, liegt es nicht daran, dass es nicht genug niederschwellige Angebote gebe. Sondern das sind ungefähr sechs bis sieben Prozent harte Impfgegner. Die erreichen wir nicht. Die anderen müssen wir empathisch aufklären. Das ist jetzt die besondere Aufgabe der niedergelassenen Ärzteschaft.

Sie haben gesagt: "Wir kommen wieder zurück zur Regelversorgung." Verstehen Sie es, wenn bei den Leuten dann das Signal ankommt: "Wir sind wieder im Normalbetrieb" - Ist das eine Gefahr?

Wir leben mit dem Virus. Wir haben eine Chance, die heißt impfen. Und ich glaube, dass wir stolz sein dürfen, dass wir in Deutschland eines der bestfunktionierenden Gesundheitssysteme der Welt haben, mit allen Schwächen. Und der Zugang zur medizinischen und ärztlichen Versorgung ist nirgends so gut garantiert, wie bei uns. Genau das ist jetzt die Aufgabe.

Es gibt weiterhin hartnäckigen Impfgegner. Ist ein mobiles Impfteam da die richtige Strategie? Brauchen wir diese niedrigschwelligen Impfangebote?

Wir brauchen beides. Wir haben die, die noch mal ein bisschen den Anstoß benötigen, die vielleicht gesagt haben: 'Es betrifft mich nicht so'. Die haben festgestellt, es könnten Verordnungen kommen, die alltägliche Einschränkungen mit sich bringen. Und es gibt auch junge, gesunde, fitte Menschen, die sagen 'Was soll es mich betreffen?'.

Ärzte hören immer wieder von jungen Patienten: "Ich warte lieber noch ab." Was würden Sie denen sagen?

Gehen Sie impfen! Die wissenschaftlichen Studien, vor allem aus Ländern wie Israel und anderswo, zeigen den enormen positiven Effekt. Auch bei Erwachsenen, um Long-Covid zu vermeiden. Im Verhältnis der Milliarden Impfungen ist das, was wir an Nebenwirkungen haben, wirklich gering. Das Beste, was man tun kann, ist impfen. Und die, die noch Sorgen haben, sollten zu Ärzten ihres Vertrauens gehen und sich noch einmal aufklären lassen.

Mehr als 80 Prozent aller Erwachsenen sind im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz erstgeimpft. Wie sieht es in Baden-Württemberg aus?

Wir sind auch etwa in derselben Dimension. Baden-Württemberg ist historisch bisschen impfskeptischer. Wir holen das gerade auf. Was bei uns ganz gut ist, dass wir eine bessere Zunahme der 7 bis 12-Jährigen haben. Auch dadurch, dass sich die Ständige Impfkommission dankenswerterweise klar positioniert hat, haben wir da noch einen guten Zuwachs. Auch die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte und niedergelassenen Ärzte unterstützen uns sehr.

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