Ein Mann passiert das Schaufenster einer Immobilienfirma. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Andy Rain)

Miete zahlen in den eigenen vier Wänden

Lohnt sich ein Teilverkauf von Immobilien?

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"Wohnen wie immer - leben wie neu" oder auch "Klüger wohnen": Mit diesen Slogans wird für Teilverkäufe von Häusern und Wohnungen geworben. Doch ist das wirklich eine gute Idee?

Das Versprechen hinter dieser momentan stark beworbenen Finanzierung: Wer eine Immobilie hat, kann einen Teil davon verkaufen, ohne ausziehen zu müssen, und soll trotzdem eine Stange Geld dafür bekommen. Gerade für Personen mit einer kleinen Rente klingt das zunächst nach einem guten Deal.

Doch Vorsicht: Die Sache hat viele Haken – und finanziell lohnt sich der Teilverkauf selten, warnen Verbraucherschützer. Sie betonen, dass auch Senioren Kredite bekommen können.

Ein normaler Kredit ist finanziell meist attraktiver

Die Verbraucherzentrale warnt besonders ältere Menschen derzeit eindringlich vor falschen Informationen: "Falls man Ihnen einredet, dass Sie keine Chancen hätten auf ein zinsgünstiges Darlehen, dann raten wir Ihnen, sich bei verschiedenen Anbietern umzuhören. Entscheidend sind nicht Alter oder Selbstständigkeit, sondern die finanzielle Situation insgesamt."

Außerdem gäbe es kein Gesetz wonach Darlehensnehmer den Kredit noch zu Lebzeiten ganz zurückzahlen müssten. Es gibt auch keine gesetzlichen Gründe, die es Banken verbieten, Kredite an ältere Kunden zu vergeben.

Wer verkauft, zahlt "Miete" oder muss weitere Teile überschreiben

Das Prinzip beim Teilverkauf: Man überschreibt einen Teil des eigenen Hauses oder der Wohnung an eine Firma. Beispielsweise an die Immobilienmakler-Gruppe Engel & Völkers (Werbespruch "Wohnen wie immer - leben wie neu"), an das Unternehmen Wertfaktor ("Ihre Immobilie zahlt sich aus") oder an die Deutsche Teilkauf ("Klüger wohnen").

Das kann ein Immobilienteil von 10 bis 20 Prozent sein oder auch die Hälfte. Dafür bekommt der Verkäufer eine bestimmte Summe, die vom Schätzwert der Immobilie abhängt. Den Schätzwert setzt in der Regel ein vom jeweiligen Anbieter eingesetzter Gutachter fest.

Der wird zwar als "unabhängig" beworben, ob das stimmt, lässt sich schwer überprüfen. So steht auf der Internetseite von Deutsche Teilkauf : "... benennen wir Ihnen zwei Gutachter zur Ermittlung Ihres Immobilienwerts. Der von Ihnen ausgewählte Gutachter ermittelt dann den Marktwert Ihres Eigentums und den Anteil."

In der Regel bleibt der Verkäufer in der Immobilie wohnen und zahlt monatlich ein Nutzungsentgelt an die Firma, eine Art "Miete". Das Entgelt wird meist für eine bestimmte Zeit festgeschrieben und danach neu vereinbart. Es kann aber auch automatisch mit der Inflationsrate steigen. Wer die monatliche Geldzahlung vermeiden oder reduzieren will, kann meist weitere Teile der Immobilie an den Anbieter übertragen.

Verkäufer zahlt weiterhin alle Kosten an der Immobilie

Nach einem Teilverkauf zahlt der Haupt-Eigentümer trotzdem alle Instandhaltungskosten komplett selbst. Und: Bei einem Verkauf ist später dann auch noch - zusätzlich zum Anteil für den Miteigentümer - eine Bearbeitungsgebühr für den Miteigentümer fällig. Einige Anbieter sichern sich zudem gegen einen Wertverlust der Immobilie ab – indem sie ihr investiertes Geld plus einen Zuschlag zurückfordern.

Verkauf mit Wohnrecht

Wer kurzfristig Geld braucht, aber keinen Teilverkauf möchte und auch kein Hypothekendarlehen will, könnte seine Immobilie komplett verkaufen und dabei mit dem Käufer ein lebenslanges Wohnrecht - mit Mietzahlungen - vereinbaren. Das kann manchmal die einfachste Lösung sein.

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