Auf der Anlage von Venture Global LNG in Louisana wird gerade Frackinggas abgefackelt.  (Foto: SWR)

Das Dilemma mit LNG aus den USA

Neue Gas-Verträge gefährden Baden-Württembergs Klimaziele

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Tina Fuchs

Baden-Württemberg will bis 2040 klimaneutral sein. Doch die Landesunternehmen EnBW und LBBW investieren in amerikanisches Fracking-Gas, das auch vor Ort die Natur zerstört.

Baden-Württemberg will das erste Bundesland sein, das Klimaschutzziele gesetzlich verankert. Bis zum Jahr 2040 soll eine Netto-Treibhausgasneutralität erreicht werden. Das ist eine besondere Herausforderung: Seit dem Ukraine-Krieg und der Abkehr von russischem Gas organisiert die Bundesregierung Ersatz vor allem mit fossilen Energieträgern.

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Auch die beiden baden-württembergischen Staatsunternehmen, der Energieversorger EnBW und die Landesbank LBBW, investieren in fossile Brennstoffe, beispielsweise in amerikanisches Fracking-Gas. Die Verträge der EnBW mit dem amerikanischen Gaskonzern Venture Global LNG (LNG steht für liquefied natural gas) starten aber erst 2026, zu einem Zeitpunkt, wenn der Bedarf hier womöglich schon nicht mehr gegeben ist.  

"Dass die EnBW jetzt als staatliches baden-württembergisches Unternehmen hier Flüssiggas über den Zeitraum von zwanzig Jahren importieren möchte. - Da muss man sich mal vor Augen halten: Wir wollen bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein, Baden-Württemberg hat sich das für 2040 vorgenommen. Wenn man sich dann bis 2046 vornimmt, fossiles Gas zu kaufen und anschließend zu verbrennen, ist das eigentlich logisch, dass man seine Klimaziele nicht mehr erreichen kann."

Brücke zur grünen Energieversorgung

Die EnBW gab im Juni 2022 ihre Zusammenarbeit mit Venture Global bekannt. Dabei sagte Georg Stamatelopoulos, EnBW-Vorstand für Nachhaltige Erzeugungs-Infrastruktur, dass sich alle sehr über eine langfristige Flüssiggas-Partnerschaft mit Venture Global freuen würden. Bei der EnBW seien in den letzten Jahren die LNG-Aktivitäten Stück für Stück ausgebaut worden. Flüssiggas spiele bei der Diversifizierung unserer Brennstoffe für die Strom- und Wärmeerzeugung eine zentrale Rolle, so Stamatelopoulos. Er betonte, dass Flüssiggas die Möglichkeit neuer Bezugsquellen eröffne, um die deutsche Gasversorgung in der Übergangszeit der Energiewende zu sichern und die Brücke zur grünen Energieversorgung schlage.

Fast täglich Störfälle in Louisiana

In Louisiana beobachten Umweltschützer, dass auf einer Anlage von Venture Global LNG an 84 von 90 Tagen Gas abgefackelt und nutzlos verbrannt wird. John Allaire wohnt genau gegenüber der Fracking-Anlage und dokumentiert fast täglich Störfälle.

Immer mehr Stürme an der Küste

Am Golf von Mexiko plant das Unternehmen neue LNG-Anlagen und Terminals. Das mache aber dort vor Ort den Bewohnern Angst. Denn schon die bestehenden Terminals greifen brutal in die Küstenlandschaft ein, meint Anne Rolfes. Sie ist Umweltaktivisten bei der Louisiana Bucket Brigade.

"Jedes Jahr gibt es hier Hurrikans. Wenn sie die Anlagen bauen, zerstören sie unseren natürlichen Schutz. Sie zementieren die Küste, zerstören die Feuchtgebiete, die das Wasser absorbieren. Die ganze Region ist Überschwemmungen viel stärker ausgesetzt. Und dann noch die Treibhausgas-Emissionen. Sie erwärmen die Atmosphäre und verursachen die schrecklichen Stürme."  

Zuverlässiges Unternehmen aus den USA

Zu den Vorwürfen der Umweltschützer erklärte das Energieunternehmen EnBW: "Unter der Dringlichkeit, auch eine langfristige Unabhängigkeit von russischen Importen zu sichern, haben wir uns für ein zuverlässiges Unternehmen aus den USA entschieden." Die Landesbank Baden-Württemberg teilte dem SWR mit:

"Derartige Engagements durchlaufen eine intensive und individuelle Nachhaltigkeitsprüfung und sind bei einem positiven Prüfergebnis möglich."

Versorgungssicherheit hat höchste Priorität

Die Landesregierung Baden-Württemberg schrieb auf Anfrage, die akute Versorgungssicherheit habe größte Priorität. Langfristig, sagen Kritiker, zerstöre das Vorgehen aber das Klima.

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