Alte Frau wird geimpft (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/PA Media | Gareth Jones)

Kritik an Impfkampagne

Holpriger Impfstart: "Länder sollen sich an eigene Nase fassen"

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Der CDU-Europapolitiker Peter Liese findet die heftige Kritik am Impfstart nicht in Ordnung. Zwar stimme es, dass zu wenig Vakzin bestellt worden sei. Das habe man damals aber nicht wissen können, so Liese.

Ja, der Start der bundesweiten Corona-Impfkampagne sei holprig, das will auch der CDU-Europapolitiker Peter Liese nicht leugnen. Tatsächlich habe die Bundesregierung im August letzten Jahres wohl zu wenig Impfstoff bestellt - insgesamt 55 Millionen Dosen. Dass dies nicht ausreichen würde, habe man aber damals nicht wissen können, findet Liese.

Als Beleg führt er den Chef-Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité an. Auch der habe zugegeben, zu diesem Zeitpunkt ahnungslos gewesen zu sein. "Wenn Drosten es nicht wusste, weiß ich nicht, wer es hätte wissen sollen, so Liese, der während der Pandemie auch immer wieder als Arzt praktiziert.

Bundesländer teils überfordert bei Impfstart

Deutliche Kritik übt Liese aber an den Bundesländern. Es sei ärgerlich, dass diese offenbar nicht in der Lage seien, den vorhandenen Impfstoff schnell genug zu verimpfen. "Das Schlusslicht ist hier leider Thüringen. Ich glaube da müssen sich gerade die deutschen Länder, die sich immer so gerne bei anderen beschweren, an die eigene Nase fassen und überlegen, was sie selber tun können," so Peter Liese.

Impfkampagne: Gemeinsames europäisches Handeln ist richtig

Richtig findet Liese die europaweite Koordination der Impfkampagne. Damit habe man Fehler wie zu Beginn der Pandemie verhindern können, zum Beispiel als Deutschland und Frankreich im Frühjahr den Export von Corona-Masken verboten, während in Italien viele Ärzte und Pflegekräfte an Covid erkrankten und starben. Das sei ein Spaltpilz für Europa gewesen, meint Liese.

"Man kann doch nicht sagen, ein deutsches Leben ist mehr Wert als ein italienisches."

Um dennoch mit dem vorhandenen Impfstoff mehr und schneller Menschen impfen zu können, schlägt Liese zwei Dinge vor: Zum einen sei es möglich, den Biontech-Impfstoff in kleinere Dosen aufzuteilen. Dies sei möglich, wenn man dazu spezielle Spritzen verwende, die nun schleunigst bestellt werden müssten.

Zweitens sollte nach Ansicht Lieses der britisch-schwedische Impfstoff Astrazeneca noch in den nächsten Wochen zugelassen werden, auch wenn klar sei, dass dieser einen etwas geringeren Schutz böte als der Biontech-Impfstoff.

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