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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor steigenden Infektionszahlen in den Schulen im kommenden Winter. Anders als die Bildungsministerinnen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sieht er Handlungsbedarf.

Wenn es kalt werde, sei die Gesundheit der Schüler, Lehrer und ihrer Familien nicht alleine mit Lüften zu gewährleisten, sagte Lauterbach im SWR. Der SPD-Politiker und Epidemiologe forderte, Luftfilteranlagen einzusetzen und zusätzlich die Klassen zu teilen.

Deutscher Lehrerverband spricht von "Salami-Lockdown"

Laut Zahlen des Deutschen Lehrerverbands befinden sich mittlerweile mehr als 300.000 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne - Ende September seien es noch rund 50.000 gewesen. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sprach von einem "Salami-Lockdown" an den Schulen. Die Politik habe sich zurückgezogen, die Gesundheitsämter würden entscheiden.

Baden-Württembergs Schulministerin Eisenmann: "Kein Grund zur Panik"

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wies die Kritik im SWR zurück. Es sei selbstverständlich, dass die Experten der Gesundheitsämter bei Infektionsgeschehen zuständig seien. Im Übrigen befänden sich in Baden-Württemberg weniger als ein Prozent der Schulklassen in Quarantäne, es gebe keinen Grund zur Panik.

"Wechselmodell" in Schulen soll Shutdown verhindern

Während Ministerin Eisenmann es ebenso wie ihre rheinland-pfälzische Kollegin Stefanie Hubig (SPD) ablehnt, das sogenannte "Wechselmodell" an den Schulen wieder einzuführen, fordert Gesundheitsexperte Lauterbach, alle Schulklassen zu halbieren. In Dänemark und anderen Ländern habe sich das bewährt.

Es sei durchaus möglich, dass es in den nächsten Monaten dazu komme, dass Infektionsketten auch über die Schulen weitergegeben würden und dann beim nächsten Shutdown die Schulen nicht mehr ausgenommen werden könnten. Auch Kinder hätten einen Anteil an der Epidemie, selbst, wenn sie keine Treiber seien.

Lauterbach: November-Maßnahmen wirken

An der aktuellen Zahl der Neuinfektionen in Deutschland sei abzulesen, dass "der Wellenbrecher-Shutdown" wirke, sagte Lauterbach. Ob er ausreichend wirke, ob er noch einmal verlängert werden müsse oder sogar nachgeschärft, sei zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht klar.

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