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In Berlin protestieren Bauern aus dem gesamten Bundesgebiet gegen neue Vorschriften und für mehr Anerkennung. Bettina Fächer meint, dass wir Verbraucher den Landwirten mindestens eines schuldig sind: Ehrlichkeit.

Wir möchten Milch von glücklichen Kühen. Weiden sollen sie auf Blumenwiesen, begleitet von Bienensummen. Saftige Erdbeeren bitte den ganzen Sommer lang. Das Gemüse üppig, alle Produkte regional und natürlich günstig.

Hohe Ansprüche der Verbraucher an Lebensmittel, geringe Preise: Für die Bauern ist das schwer zu erfüllen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Picture Alliance/Picture Alliance)
Hohe Ansprüche der Verbraucher an Lebensmittel, geringe Preise: Für die Bauern ist das schwer zu erfüllen Picture Alliance/Picture Alliance

Ich habe Verständnis dafür, wenn die Hersteller dieser Produkte – also die Landwirte – den Kopf schütteln. Die Liste der Verbraucher-Ansprüche ist lang, mehr kosten soll es aber bitte nicht. Nur langsam scheint hier ein Umdenken einzusetzen. Im Land der Discounter steigt die Bereitschaft, für hochwertige Lebensmittel höhere Preise zu zahlen, sagen Umfragen. Doch bei der Umsetzung hapert es oft noch.

"Sprachlosigkeit zwischen Konsumenten und Produzenten", nennt das Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Manche Landwirte sprechen von "Bauernbashing". Sie fühlen sich unverstanden und bei Tierhaltung und konventioneller Feldwirtschaft zum Sündenbock gestempelt. Was die richtige – vielleicht auch: trendige – Ernährung ist, scheint mir ein Glaubenskrieg geworden zu sein. Und das gilt auch für die Art, wie wir uns die Produktion von Lebensmitteln wünschen.

Aus Verpflichtungen – wie verantwortungsvolles Düngen für weniger belastetes Grundwasser – können und sollten wir die Landwirte nicht entlassen. Aber dass wir uns fragen, wo wir als Konsumenten unrealistische Forderungen stellen oder verlogen argumentieren – das können die Landwirte von uns verlangen.

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