Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster. (Foto: dpa Bildfunk, Fabian Sommer)

Gemischte Reaktionen

Isolation nach Corona-Infektion: BW erfährt von Lauterbach-Kehrtwende über TV und Twitter

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Corona-Infizierte müssen nun doch weiter in Isolation - das hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach bekannt gegeben. Das BW-Gesundheitsministerium reagiert verstimmt.

Baden-Württembergs Gesundheitsministerium hat auf die geänderte Isolationsregel des Bundes reagiert. "Wir nehmen die kurzfristige Volte des Bundesgesundheitsministers, von der wir via Talkshow und Twitter erfahren haben, zur Kenntnis", sagte eine Sprecherin am Mittwoch auf Anfrage. Am Mittwoch hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) seine Ankündigung erneut präzisiert: Die Isolationspflicht für Corona-Infizierte für fünf Tage werde bleiben.

Erst am Montag hätten Bund und Länder einen einstimmigen Grundsatzbeschluss über das weitere Vorgehen bei Quarantäne und Absonderung ab dem 1. Mai getroffen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach müsse nun für die Gesundheitsministerkonferenz am Montag kommender Woche einen praktikablen Vorschlag vorlegen. Dieser müsse vor allem die Erkenntnisse der Gesundheitsämter und Fachleute berücksichtigen, sagte die Sprecherin. Sie forderte eine "faktenbasierte, geordnete Debatte". Da es allerdings um die Zeit nach dem 1. Mai gehe, habe man noch Zeit, die Verordnung Absonderung anzupassen.

Lauterbach: Isolationspflicht für fünf Tage bleibt bestehen

Geplant war eigentlich, dass Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab 1. Mai in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung oder Quarantäne müssen. Lauterbach hatte dies am Dienstagabend aber als falsch bezeichnet. "Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Corona-Infektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen", schrieb der SPD-Politiker am Mittwoch auf Twitter. Eine Änderung entlaste zwar die Gesundheitsämter, das Signal sei aber "falsch und schädlich".

1) Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Coronainfektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen. Hier habe ich einen Fehler gemacht. Das entlastet zwar die Gesundheitsämter. Aber das Signal ist falsch und schädlich.

Seine Ankündigung hat Lauterbach erneut präzisiert. Die Isolationspflicht für Corona-Infizierte für fünf Tage werde bleiben und nicht am 1. Mai enden, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Berlin. Allerdings werde es für Kontaktpersonen von Infizierten ab dem 1. Mai nur noch eine dringende Empfehlung geben, sich für fünf Tage zu isolieren. Dies werde die Gesundheitsämter entlasten. Den Ländern sei ein entsprechender geänderter Vorschlag nun unterbreitet worden.

Virologe Hans-Georg Kräusslich plädierte schon im Voraus dafür, die jetzige Welle abzuwarten und nicht zu früh mit Lockerungen zu beginnen:

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Mehrere Kursänderungen innerhalb kurzer Zeit

Es ist ein weiteres Kapitel im Hin und Her um die Isolation: Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hatte Lauterbach vor kurzem aufgefordert, Ende April den Wechsel von der pandemischen in die endemische Phase einzuläuten. Das Coronavirus würde dann wie das Grippevirus eingestuft, es gäbe kaum Tests und keine vorgeschriebene Quarantäne mehr. Nach einem Rüffel durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war er zurückgerudert. Wegen des Vorgangs will die Opposition am Donnerstag im Landtag auch über die Entlassung Luchas abstimmen lassen.

Reaktionen auf Lauterbachs Kehrtwende gemischt

Auf Lauterbachs Kehrtwende auf Twitter gab es unterschiedliche Reaktionen. CDU-Chef Friedrich Merz kritisierte Lauterbach scharf. Bis gestern Abend sei man davon ausgegangen, dass die Pflicht aufgehoben werde, sagte Merz im Deutschlandfunk. Das habe der Bundesgesundheitsminister dann nachts in einer Talkshow zurückgenommen.

Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic begrüßte Lauterbachs Ankündigung dagegen. Sie finde es "anerkennenswert, dass er diesen Fehler korrigiert hat", sagte Mihalic mit Blick auf Lauterbachs Kehrtwende am Mittwoch in Berlin.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz reagiert positiv. "Infizierte stecken andere Menschen mit dem Virus an und gefährden gerade Immungeschwächte, die mitten unter uns leben", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Deshalb sei es gut, dass Lauterbach "seinen Fehler eingesehen hat und die Pflicht zur Isolation von Infizierten aufrechterhalten will".

Lauterbach schließt Rücktritt aus

Lauterbach verteidigte indes seine Kehrtwende. "Das war ein Fehler, für den ich auch persönlich verantwortlich bin", so Lauterbach. Einen Rücktritt schloss er aber auf eine entsprechende Nachfrage aus.

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