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Vor 15 Jahren trat das Kyoto-Protokoll in Kraft. Weltweit einigten sich die Industriestaaten darauf, verbindliche Klimaziele einzuhalten. Damals war Deutschland beim Klimaschutz noch Vorreiter. Heute stehen andere Länder an der Spitze.

Kurz nach dem Start des Abkommens sah es gut aus für Deutschland. Die Vorgaben des Kyoto-Protokolls für die Senkung der Treibhausgase wurden damals sogar übererfüllt.

Vorreiter bei Solarenergie

Dabei half Deutschland ein statistischer Effekt: Das Vergleichsjahr für die Minderung der klimaschädlichen Gase ist das Jahr 1990 - und das ist das Jahr der deutschen Wiedervereinigung. Die großflächige Abschaltung der ineffizienten DDR-Industrie puschte so die deutschen Klimawerte.

"Davon hat Deutschland profitiert, ohne viel dafür zu machen", sagt Brigitte Knopf vom Berliner Klimaforschungsinstitut MCC. Aber die Bundesrepublik hat auch etwas angestoßen:

"Ein zweiter Punkt ist aber schon, dass Deutschland immer gesehen wurde als internationaler Vorreiter beim Ausbau der Erneuerbaren. Bei der Solarenergie, da würde ich sogar sagen, ohne diesen massiven Ausbau in Deutschland wäre vielleicht auch das Paris-Abkommen nicht zustande gekommen."

Brigitte Knopf, Klimaforschungsinstitut MCC

Von Schweden und Dänemark überholt

Beim Pariser Klimaabkommen von 2015 war Deutschland noch ein Vorbild. Ein Industrieland, das viel Strom aus Wind und Sonne produziert. Mittlerweile lahmt der Ausbau und andere Europäer sind beim Klimaschutz viel weiter: zum Beispiel Schweden und Dänemark mit Windkraft und Großbritannien, das mit einem hohen CO2-Preis aus der Kohle aussteigt und die Emissionen senkt.

Es gebe in Europa viele andere Vorreiter in bestimmten Fragen, sagte Knopf. Deutschland könne sich jetzt nicht mehr auf der Vergangenheit ausruhen. Deutschland müsse zusehen, dass es den Anschluss nicht verpasse, so die Klimaforscherin.

Deutschland ist unteres Mittelfeld

"Wenn man mit der Bevölkerung spricht, höre ich auch oft: Na ja, Deutschland ist Vorreiter. Jetzt müssen erst mal die anderen was machen. Und diese Einstellung, die kommt sozusagen aus der Vergangenheit. Aber ist bis heute eigentlich gar nicht mehr so sehr gedeckt von den Tatsachen."

Brigitte Knopf, Klimaforschungsinstitut MCC

Was im November letzten Jahres verabschiedet wurde - das Klimaschutzpaket - reicht nach Einschätzung von Knopf noch nicht, um die Ziele für 2030 zu erreichen. Ein paar Nachbesserungen seien hier noch notwendig.

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