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Kritische Edition: Mein Kampf Hitler für Schüler zu schwer

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hält nichts davon, die kommentierte Neuauflage von Adolf Hitlers Propagandaschrift "Mein Kampf" im Schulunterricht einzusetzen.

Mein Kampf, kritische Edition

Hitler: Mein Kampf - Eine kritische Edition. Das umstrittene Werk ist jetzt im Buchhandel erhältlich, die erste Neu-Veröffentlichung seit dem II. Weltkrieg.

Gespräch mit Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

"Für die wissenschaftliche Arbeit und auch für die Reflektion im pädagogischen Bereich ist dieses Werk sicherlich sinnvoll. Aber für Otto Normalverbraucher und erst recht für den Schüler halte ich das für nur schwer rezipierbar."

Eine Verwendung im Schulunterricht mache daher "wenig Sinn", sagte der SPD-Politiker. "Und wenn, dann nur in den weiterführenden Schulen, wo man schon beginnt, quasi wissenschaftlich zu arbeiten." Ausschnitte aus "Mein Kampf" würden ja heute schon im Unterricht eingesetzt.

70 Jahre stand das Buch "Mein Kampf" sozusagen im Giftschrank: Adolf Hitlers Propagandaschrift durfte nicht neu gedruckt werden. Jetzt ist das gesetzliche Urheberrecht erloschen, Hitlers Kampfschrift gilt als "gemeinfrei", wie das rechtlich heißt. Die Neuauflage ist eine kommentierte Auflage. Der Originaltext wird ergänzt mit wissenschaftlichen Erklärungen und Richtigstellungen. So sind aus den ursprünglich knapp 800 Seiten rund 2.000 Seiten geworden.

Weg vom hitler-zentrierten Umgang mit dem Nationalsozialismus

Erstausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" aus dem Jahr 1925 - im Jahr 2016 kommt nun eine kommentierte Neuausgabe heraus

Erstausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf" aus dem Jahr 1925

"Ich finde es aber eher problematisch, wenn der Unterricht und die Geschichtspädagogik wieder hitlerzentriert arbeitet. Man ist davon weggekommen - und zwar aus guten Gründen - um das System des Nationalsozialismus insgesamt in den Blick zu bekommen. Und da gibt es viele Facetten und auch sehr viele Quellen, die mindestens genauso wichtig sind wie 'Mein Kampf' - wenn nicht sogar wichtiger."



Lob für das Institut für Zeitgeschichte

Institut für Zeitgeschichte

Institut für Zeitgeschichte in München

Ausdrücklich lobte Krüger die Arbeit des Münchener Instituts für Zeitgeschichte, das die kommentierte Neuauflage von "Mein Kampf" vorstellt. Es sei wichtig, dieses Buch zu enttabuisieren.

Krüger sagte: "Im digitalen Zeitalter ist man mit zwei Klicks beim Originaltext von Hitlers 'Mein Kampf', und zwar nicht nur auf Deutsch, sondern gleich noch auf Hebräisch, Russisch und Englisch. Alles, was man möchte, kann man heute digital beziehen. Und insofern kann man das schwer verstecken. Stattdessen ist es eben wirklich ratsam, eine Entmystifizierung, eine Enttabuisierung vorzunehmen und diesen Weg weiter zu gehen."

Das Gespräch führte SWR-Moderator Andreas Herrler


Online: Heidi Keller und Christine Härrer

Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" im Institut für Zeitgeschichte in München

"Mein Kampf"

Hitlers Machwerk in einer kommentierten Edition

Anfang Januar erscheint eine wissenschaftlich kommentierte Neuausgabe von "Mein Kampf".