Bitte warten...

Kritik an Schufa Am falschen Ort zur falschen Zeit?

Wie lange man den gleichen Wohnort hat, entscheidet vielleicht, ob man einen Kredit bekommt. Dies legen zumindest die Recherchen des Norddeutschen Rundfunks über die Schufa nahe. Wie die Verbraucherbewertungen genau zustande kommen, bleibt ein Geheimnis.

Wie kreditwürdig ist ein Mensch? Damit beschäftigt sich die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa. Sie hat großen Einfluss darauf, ob man Geld von der Bank, einen Handy-Vertrag oder ein Auto geleast bekommt.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet jetzt über eine geheime Schufa-Liste, aus der hervorgeht, was für die Bewertung der Verbraucher besonders wichtig ist. Dabei spielt offenbar die Tatsache, wie oft man umzieht, eine wichtige Rolle.

Der Wohnort entscheidet mit

Die Schufa ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Wiesbaden. Sie hat laut eigenen Angaben 480 Millionen Einzeldaten von 66 Millionen Bundesbürgern. Jährlich werden über 100 Millionen Kreditanfragen beantwortet.

"Dass die Anzahl der Umzüge in die Bewertung einfließt, ist erst einmal nicht so schlimm", sagt SWR-Wirtschaftsredakteurin Tamara Land. "Aber die Tatsache, dass die Schufa diese Daten speichert und dies den Betroffenen nicht mitteilt, wird kritisiert."

Verbraucher haben ein Recht zu erfahren, welche Daten von ihnen bei der Schufa vorliegen. "Wenn allerdings in der Auskunft nicht drinsteht, wie lange ich irgendwo wohne, dann habe ich auch keine Möglichkeit, einen Erfassungsfehler zu korrigieren", so Land.

Die Schufa hat die Kritik zurückgewiesen. Man habe bereits 2010 die Bewertungsverfahren "inklusive der verwendeten Variablen allen Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes offengelegt". Damals habe es keine Beanstandungen an dem Verfahren gegeben.

Was bedeuten diese Daten?

Wieso die Zahl der verschiedenen Wohnadressen für die Schufa interessant ist, will das Unternehmen nicht offenlegen. "Die Schufa sammelt viele Daten über eine Person und zieht daraus ihre Schlüsse über die Kreditwürdigkeit dieser Person", erläutert die SWR-Redakteurin. "Welche das sind, muss sie nicht sagen, das hat der Bundesgerichtshof erst im Januar wieder bestätigt."

So bleibt nur die Spekulation: "Wer lange an einer Adresse wohnt, gilt vielleicht als besonders zuverlässig, weil er ein geregeltes Leben hat", so Land. "Es kann aber auch sein, dass jemand, der oft den Ort wechselt, sehr gefragt und deshalb besonders kreditwürdig ist." Oder gibt es eine Art Sippenhaft, wenn beispielsweise viele Nachbarn verschuldet sind?

Fazit: "Als Verbraucher hat man keinen Einfluss auf die Bewertung", sagt Tamara Land. "Man kann lediglich einmal im Jahr kostenlos eine so genannte Selbstauskunft anfordern. Da ist es wichtig zu überprüfen, welche Daten erfasst sind und ob sie stimmen. Wenn nicht, kann man auf eine Änderung bestehen."