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Kreuzfahrt-Schiffe Dreckschleudern der Weltmeere

Ein einziger Ozeanriese stößt auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke. Erste Anbieter reagieren auf das gestiegene Umweltbewusstsein und nehmen Kurs in Richtung Umweltschutz.

Vorreiter bei den Umwelt-Investitionen, aber noch lange nicht ausreichend...

Das neueste Kreuzfahrtschiff von TUI Cruises "Mein Schiff 3" wurde im Juni getauft

Kreuzfahrtschiffe sind mit bis zu 6000 Passagieren inzwischen zu schwimmenden Städten geworden. Sie bieten alles, was das Herz des Urlaubers begehrt: Sonnendeck, Swimming-Pool, Shopping-Malls, Gourmet-Tempel, den Plausch mit dem Kapitän und Unterhaltung bis zum Abwinken.

Urlaub auf Kosten der Gesundheit

Aber: Urlaub auf dem Traumschiff kann uns nicht nur viel Geld, sondern auch unsere Gesundheit kosten, warnt der Naturschutzbund. Auf hoher See wird beispielsweise immernoch hochgiftiges Schweröl benutzt - völlig ohne Abgasfilter. An Land ist das längst verboten. Ein einziges Kreuzfahrtschiff bläst deswegen so viel Dreck in die Luft wie fünf Millionen Autos. Deshalb vergab der NABU vor drei Jahren seinen Negativ-Preis - den Umwelt-Dino - an die Traumschiff-Branche.

Diese zweifelhafte Auszeichnung hat offenbar etwas bewirkt: Erste Anbieter nehmen jetzt Kurs auf den Umweltschutz. Das ist die Einschätzung des NABU im aktuellen Kreuzfahrt-Ranking 2014.

Erste Maßnahmen in Richtung Umweltschutz: Abgastechnik

Montage im MTU-Werk Friedrichshafen

Montage von Dieselmotoren in Friedrichshafen bei Rolls Royce Power Systems

Marktführer AIDA Cruises hat angekündigt, auf allen Schiffen umfassende Abgastechnik einbauen zu wollen. Das gilt sowohl für die zwei Schiffe, die derzeit in Korea für AIDA gebaut werden, als auch für die Schiffe, die schon auf den Meeren unterwegs sind, erläutert der Leiter Verkehrspolitik des NABU, Malte Siegert: "Sie werden einen Stickoxidkatalysator einbauen. Sie werden Rußpartikel-Filter nachrüsten, wie das heute bei LKW und PKW auch der Fall ist."

Und sie nutzen einen sogenannten Scrubber: "Das ist ein Abgaswäscher, der den Schwefel aus dem Abgas auswäscht. Das ist das, was wir immer noch ein bisschen problematisch finden." Zum Einen, weil der ausgewaschene Schwefel einfach ins Wasser geleitet wird und so die Versauerung der Meere fördert. Zum Anderen, weil ein Scrubber bedeutet, dass die Reedereien weiter auf das hochgiftige Schweröl als Treibstoff setzen.

Sondermüll als Treibstoff

Viel in die Umwelttechnik investiert

Vorreiter, aber dennoch ungenügend: Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 3" von TUI Cruises - im Juni 2014 getauft - mit einem System aus Entschwefelungsanlage, Katalysatoren sowie Waschwasser-Behandlungsanlage

Dieses Abfallprodukt der Erdölindustrie ist eine zähe schwarze Masse, die als Sondermüll entsorgt werden müsste: "Eigentlich erwarten wir, dass auf Dauer die Industrie voll auf besseren, sogenannten MDO, Marine Diesel Öl, umstellt - das ist ein wesentlich emissionsärmeres Dieselgemisch - und eben nicht mit Schweröl weiterfährt." Doch davon sind alle Anbieter weit entfernt.

Trotzdem freut sich Malte Siegert vom NABU über die ersten zarten Erfolge: "Es sind Ansätze da. TUI Cruises hat zum Beispiel schon mal einen Stickoxidkatalysator mit eingebaut, jetzt in einige ihrer neuen Schiffe. Aber es fehlt immer noch der Rußpartikel-Filter." Deshalb müssen die Kreuzfahrtreedereien nach wie vor die schwarze Ruß-Fahne, die ihre Schiffe hinter sich herziehen, auf den Werbeplakaten wegretuschieren.

Krebserregende Ruß-Partikel: "Das ist verantwortungslos"

Die Umweltorganisation NABU kritisiert, dass die Schiffe auf hoher See mit Schweröl fahren und zu viele giftige Schadstoffe wie Ruß, Schwefel und Kohlendioxid durch ihre Schornsteine blasen.

Das Luxus-Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2" der Reederei Cunard: Schwarze Ruß-Fahnen werden auf Werbefotos wegretuschiert

Doch der Ruß aus den Schiffsschloten ist weit mehr als ein Schönheitsfehler: "Rußpartikel sind laut WHO so krebserregend wie Asbest. Und ich meine, wenn ich die an Bord einatme - ich stehe irgendwo an Deck und der Wind kommt aus der falschen Richtung, dann atme ich die direkt ein. Das ist ungefiltert. Das ist eigentlich verantwortungslos."

90 Prozent der Reeder tun nichts

Mit dieser Verantwortungslosigkeit steht TUI aber bei weitem nicht alleine da. "Denn rund 90 Prozent der insgesamt 500 Kreuzfahrtschiffe tun nichts", beschwert sich der Verkehrsexperte. Besonders die Reedereien im amerikanischen Raum scheren sich einen Dreck um die Umwelt und die Gesundheit ihrer Gäste. Sie fahren weiterhin ohne Abgastechnik und mit Schweröl.