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Fällt auch dieses Jahr der Osterurlaub wegen Corona flach? Manche Politiker empfehlen jetzt schon, keine Reise zu planen. Hier sind Argumente dafür und dagegen.

Wenn es nach Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) geht, brauchen wir für Ostern keine Urlaubspläne zu schmieden. Die Bundesregierung wagt allerdings keine Prognose: Die Entwicklung der nächsten Wochen müsse abgewartet werden.

Zwei Redakteure aus dem ARD-Hauptstadtstudio tauschen in einem Pro und Contra die Argumente aus:

Pro: "Wollen wir den Start einer dritten Welle riskieren?"

Von Uwe Lueb

Ja, wir leben in einer Phase des Verzichts. Jede und jeder leidet darunter, wobei es große Unterschiede im erzwungenen Verzicht gibt. Nun auch noch den Osterurlaub abzublasen ist sicher für viele hart, aber dennoch ist es notwendig.

Denn beim Urlaub geht es nicht nur darum, dass man irgendwo anders hinfährt. Sondern Reisen zieht viel nach sich beziehungsweise setzt viel voraus - etwa Hotelöffnungen und Gaststättenbetrieb, also Kontakte.

SWR-Hauptstadtkorrespondent Uwe Lueb (Foto: SWR)
Uwe Lueb

Zudem ist jede Reisewelle Ausdruck von Mobilität. Und wenn wir eines gelernt haben in der Pandemie, dann, dass Mobilität zu Kontakten führt und Kontakte nun mal das Infektionsrisiko erhöhen.

Nach Weihnachten haben wir gesehen, dass die Zahl der Ansteckungen hoch ging – wenn auch wegen der Kontaktbeschränkungen nicht so sehr, wie zu befürchten war. Wollen wir nun im Wissen um lauernde Virus-Mutationen an Ostern einen neuen Anstieg der Fallzahlen und womöglich den Start einer dritten Welle riskieren?

Außerdem stehen Reisen auf der Prioritätenliste sowieso unten. Zuerst kommen Kitas und Schulen, Frisöre und der Handel. Wenn das alles bedenkenlos im Normalbetrieb wieder läuft, können wir auch über Reisen nachdenken. Ostern ist dafür vermutlich einfach zu früh.

Contra: "Wir alle brauchen dringend ein bisschen Hoffnung."

Von Martin Ganslmeier

Ostern ist erst in sieben Wochen. Und niemand weiß heute schon, wie sich die Corona-Zahlen bis Ostern entwickeln werden. Deshalb habe ich kein Verständnis dafür, dass Sachsens Ministerpräsident uns jetzt schon die Hoffnung auf einen Osterurlaub nehmen will.

Und das in einer Situation, in der wir alle dringend ein bisschen Hoffnung brauchen. Den immer wieder verlängerten Lockdown haben die meisten Bürger diszipliniert mitgetragen.

In einer gemeinsamen Kraftanstrengung wurden die Infektionszahlen deutlich gesenkt. Aber diese Winter-Monate waren für viele richtig hart. Unternehmen kämpfen ums Überleben, auch Hotels, Gaststätten und die Tourismus-Branche.

Martin Ganslmeier im ARD-Hauptstadtstudio (Foto: ard-foto s1, ARD-Hauptstadtstudio/Thomas Kierok)
Martin Ganslmeier ard-foto s1 ARD-Hauptstadtstudio/Thomas Kierok

Es geht doch nicht darum, an Ostern massenhaft die Skipisten zu stürmen. Oder die Partystrände auf Mallorca zu bevölkern. Aber einige Tage Urlaub irgendwo in Deutschland, in einer Unterkunft mit gutem Hygienekonzept. Mit dem Wohnmobil auf einem Campingplatz - warum solch einen Osterurlaub jetzt schon ausschließen?

Sollten die Mutationen in einigen Wochen tatsächlich für eine dritte Welle sorgen, dann hätte doch jeder Verständnis, dass der Osterurlaub ausfallen muss. Wer ihn aber wie Sachsens Regierungschef jetzt schon kategorisch ausschließt, bevormundet Bürger und Unternehmen, als wären sie kleine Kinder.

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