Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Kretschmanns Islam-Kritik. Ein Kommentar

Klare Botschaft an deutsche Muslime

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Martin Rupps

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht beim Islam in Deutschland Nachholbedarf, was die Trennung von Kirche und Staat angeht. Muslime mit deutschem Pass, die in Baden-Württemberg leben, müssen den Ministerpräsidenten als ihren politischen Vertreter akzeptieren, meint Martin Rupps.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) stößt auf Unverständnis für Islam-kritische Äußerungen. Muhittin Soylu von der Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg nennt Kretschmanns Aussagen „völlig unbegründet“. Die SWR Journalistin Merve Kayikci ergänzt: „Er vertritt uns Muslime nicht.“. Der Ministerpräsident hatte im Gespräch mit einer Zeitschrift gesagt, der Islam sei in Deutschland „nicht wirklich integriert“ und müsse sich an manchen Stellen reformieren.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht beim Islam in Deutschland Nachholbedarf, was die Trennung von Kirche und Staat angeht. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht beim Islam in Deutschland Nachholbedarf, was die Trennung von Kirche und Staat angeht. Picture Alliance

"Politische Angelegenheiten Menschenwerk"

Ich lese Winfried Kretschmanns Äußerungen so, dass er das Verhältnis zwischen Kirche und Staat bei manchen muslimischen Gruppen problematisiert. Als bekennender Katholik trifft er in der Bibel auf eine klare Trennung zwischen dem Raum des Glaubens und dem staatlichen Raum. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“, übersetzt Martin Luther die Bibelstelle im Matthäus-Evangelium. Der Koran dagegen kennt das theologische Konzept der „Umma“ als Weltglaubensgemeinschaft aller Muslime. Es sieht über politische Grenzen hinweg. Der Politiker Kretschmann pocht darauf, „dass die Ordnung der politischen Angelegenheiten Menschenwerk ist und nicht von Gott gemacht wird (…).“

Für mich steht außer Zweifel, dass Winfried Kretschmann alle Frauen und Männer mit deutscher Staatsbürgerschaft, die in Baden-Württemberg leben, politisch vertritt. Unabhängig von Glauben und Religion. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft nicht besitzt, genießt ein Gastrecht. Für Muslime mit deutschem Pass heißt das politische Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier (SPD) und nicht zum Beispiel Recep Tayyip Erdogan.

Die Trennung von Kirche und Staat schafft den Raum für Glaubens- und Religionsfreiheit in einem Land. Die Religionsfreiheit schützt keine Religion, sondern einzelne Gläubige in der Wahl und Ausübung ihrer Religion.

Baden-Württemberg

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