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Nach dem Anschlag in Hanau spricht Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) von einer sehr hohen Gefährdungslage durch Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland. Diese Debatte geht uns alle an, sagt SWR-Redakteurin Susanne Babila.

Was wir brauchen ist eine ehrliche Debatte über Rassismus in unserem Land - und diese Debatte geht uns alle an. Denn Rassismus ist gesellschaftlich tief verwurzelt. Das ist nicht nur im Fußball immer wieder offen sichtbar und auch nicht nur im Osten dieses Landes. Ob Hanau oder Halle - die Folge ist meist ein kurzer Aufschrei der Empörung. Aber dann?

Mischen wir uns ein? Widersprechen wir?

Reden wir wirklich ernsthaft und offen darüber? Setzen wir uns mit unseren eigenen Vorurteilen auseinander? Mischen wir uns ein, wenn Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft im Netz rassistisch angepöbelt wird oder auf der Straße sogar angegriffen werden? Widersprechen wir, wenn im Freundeskreis gegen Schwarze oder Muslime abwertend gesprochen wird?

„Rassismus und Hass sind Gift“, kommentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sichtlich bestürzt die Gewalttat von Hanau. Und dieses Gift sei schuld an viel zu vielen Verbrechen. Unfassbar, schrecklich - so hört man allerorten. Aber warum haben wir nicht längst hingeschaut und vor allem etwas dagegen getan?

Schon vor 20 Jahren warnten beispielsweise Uwe-Karsten Heye oder Michel Friedeman vor wachsendem Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus und gründeten den Verein "Gesicht zeigen". Nicht selten sind sie deshalb Opfer von Hasstiraden und werden sogar bedroht. Wie auch Anetta Kahane, die die Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin gegründet hat.

Der Hass beginnt im Alltag

Wer sich für Opfer rassistischer Übergriffe einsetzt, beständig darauf drängt, rassismuskritische Jugendarbeit an Schulen zu fördern und das erschreckend hohe Maß an rassistischer Gewalt und Hetze akribisch dokumentiert, wird häufig angefeindet, als sei er selbst das Problem. Es genügt nicht, von der Politik schärfere Sicherheitsmaßnahmen zu fordern und eine klare Abgrenzung von der AfD. Denn der Hass beginnt im Alltag, am Stammtisch, am Arbeitsplatz, im Internet.

Es ist höchste Zeit ehrlich über Rassismus zu diskutieren und als Zivilgesellschaft aufzustehen, wenn wir in einer offenen, freien und toleranten Gesellschaft leben wollen.

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