STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Die Bundesregierung plant offenbar, die grundsätzliche Reisewarnung ab Mitte Juni für viele europäische Staaten aufzuheben. Urlaub im Ausland erscheint möglich. Doch sollten wir? Nein, wir sollten einfach mal zuhause bleiben, kommentiert Berlin-Korrespondentin Sabine Henkel.

Und jetzt mal schön locker machen. Lockern ist schließlich der Sommer-Trendsport 2020. Kontaktbeschränkungen lockern, Gruppenbildungsauflagen lockern, Reisewarnungen lockern - manche sind sogar schon so sehr gelockert, dass sie auf gepackten Koffern sitzen und nichts sehnlicher erwarten, als in den Flieger steigen zu können. Niedrige Infektionszahlen machen es scheinbar möglich. 8.300 Corona-Toten in Deutschland zum Trotz haben wir Reiseweltmeister schließlich einen Ruf zu verlieren, Reisen muss sein.

Offenbar auch einige Schrauben locker

Offenbar haben sich bei manchen auch einige Schrauben gelockert. Wenn die wichtigste Frage in diesen Tagen lautet: Kann ich zum Wandern nach Tirol, zum Segeln an die Cote d'Azur oder zum Feiern an den Ballermann? Dann stimmt doch was nicht. Wir stecken immer noch mitten in der größten Krise nach dem Zweiten Weltkrieg. Corona lauert nur darauf, wieder zuzuschlagen und uns flach- beziehungsweise lahmzulegen - und zwar all-inclusive.

Dass wir bisher vergleichsweise locker durch die Krise kommen, hat auch mit den strikten Reisebeschränkungen zu tun. Deshalb tun wir gut daran hierzubleiben, Heimaturlaub zu machen und auf Grenzübertritte in diesem Sommer zu verzichten. Das klingt protektionistisch, patriotisch, anti-europäisch gar, weil doch gerade in unseren Nachbarländern so viele Menschen vom Tourismus leben.

Virenaustausch-Programm wie in Ischgl vermeiden

Das mit dem Tourismus stimmt. Aber am Ende haben auch unsere Nachbarn größten Schaden, wenn ein Virenaustausch-Programm à la Ischgl über den Kontinent läuft und Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. Ein Urlaub im eigenen Land verringert dieses Risiko. Im luftigen Hochsauerland, auf dem Kahlen Asten keine Menschenseele treffen, macht jede Abstandsregel überflüssig. Einsames Kanufahren im Spreewald bekommt einen ganz neuen Reiz und Radfahren in der Eifel würde man ohne Corona vielleicht eher selten machen.

Daheim besser als in Plexiglas-Boxen am Strand

Urlaub einfach mal anders - auf jeden Fall besser als in Hotelburgen kein Frühstücksbuffet bekommen zu dürfen und am Strand in Plexiglas-Boxen in der Sonne schmoren zu müssen. Ganz zu schweigen von der unangenehmen Frage: Wie komme ich wieder zurück bei Corona-Welle Zwei?

Urlaub hat schließlich viel mit Sorglosigkeit zu tun. Abschalten und am besten einfach mal nichts tun. Bloß nicht an dieses Virus denken. Vielen ist das ohnehin nicht möglich. Alleinerziehende, die ihre Urlaubstage zur Kinderbetreuung schon so gut wie aufgebraucht haben. Kurzarbeiter, die um ihren Job fürchten. Kunstschaffende ohne Perspektive. Für all die ist diese Urlaubsdiskussionsorgie ein Schlag ins Gesicht. Urlaub auf Teufel komm raus? So locker kann man sich gar nicht machen.

Bei allen Diskussionen um Lockerungen obliegt es letztendlich mehr und mehr den Bürgerinnen und Bürgern, sich verantwortungsbewusst zu verhalten. Eine gute Idee? Wahrscheinlich nicht, finden Berlin-Korrespondentin Evi Seibert:

Corona-Krise: Updates, Zahlen und Informationen Live-Blog: Remdesivir erhält europäische Zulassung für Covid-19-Patienten

Remdesivir erhält die EU-Zulassung als Medikament für die Behandlung von Covid-19-Patienten. Die britische Regierung hebt Quarantäne-Vorschriften ab dem 10. Juli auf. Alle wichtigen Entwicklungen finden Sie in unserem Live-Blog.  mehr...

Es darf wieder geplantscht werden Corona-Risiko beim Schwimmen "praktisch null"

Die Hallen- und Freibäder im Südwesten waren bisher geschlossen. Das Ansteckungsrisko durch das Coronavirus galt als zu hoch. Doch In Rheinland-Pfalz dürfen die Bäder am 27. Mai wieder öffnen, in Baden-Württemberg dauert das noch etwas. Ist das Risiko jetzt überschaubar?  mehr...

Tagesgespräch Michael Roth (SPD): "Wir sollten keine falschen Signale aussenden"

Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt und SPD-Vorstand, hat kein Verständnis für die Entscheidung des thüringischen Ministerpräsidenten Ramelow, auf offizielle Corona-Schutzmaßnahmen zu verzichten. Roth sagte im SWR Tagesgespräch, es sei falsch, das Signal zu setzen, man könne zur "alten Normalität" zurückkehren. Das sei kontraproduktiv. „Der Eindruck entsteht, in Deutschland macht jeder seins. Zumal wir uns gerade in der EU darum bemühen, das Auslaufen der Maßnahmen koordiniert auf den Weg zu bringen.“  mehr...

SWR2 Tagesgespräch SWR2

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG