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Kommentar Nationalpark Hunsrück-Hochwald Naturschutz mit Augenmaß

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist die Nummer 16 in Deutschland. Er soll als Tourismusmagnet wirken, aber vor allem Fauna und Flora wichtige Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Nationalpark Hunsrück

Nationalpark Hunsrück

Ein Kommentar von SWR-Umweltredakteur Axel Weiss

Der neue Nationalpark, das ist nach derzeitigem Stand Naturschutz mit Augenmaß. Abgesehen von einigen besonders empfindlichen Flächen darf, wer will, auch künftig abseits der Wege durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald streifen und die wachsende Wildnis erleben.

Das ist ein kluger Schachzug des zuständigen Umweltministeriums wider die Blockwartmentalität mancher Naturschützer, die ihre Schätze am liebsten unter Verschluss halten würden. Die Natur regelt das Betreten nämlich im Lauf der Zeit ganz von selbst.

Wer mal versucht hat am Rand des Wilden Sees im Nationalpark Schwarzwald außerhalb der Wege durch den alten Bannwald voran zu kommen, braucht angesichts zahlreich umgefallener Bäume entweder ewig für ein paar Meter oder lässt es schnell wieder bleiben. Und weil die Wegedichte im Lauf der Zeit ausgedünnt wird, entstehen menschenleere Zonen.

Ranger keine Hilfssheriffs

Ein Nationalpark braucht Platz für sensible Tiere, für empfindliche Natur, Platz, der andernorts rar geworden ist. Das soll aber ohne beschilderte Verbotsorgie funktionieren, wie sie etwa in der Eifel praktiziert wird.

Die Ranger können damit vor allem zu begehrten Geschichtenerzählern für die Schönheit der Wildnis werden, und müssen sich weniger als Hilfssheriffs zur Besucherlenkung gebärden, wie das teils in anderen Nationalparks der Fall ist. Die Feinheiten der Natur erschließen sich oft erst bei genauem Hinsehen und benötigen Ortskenntnis.

Gangbare Kompromisse erzielt

Das Konzept des Nationalparks im Hunsrück ist insgesamt eines, das gangbare Kompromisse zwischen Schutz- und Nutzungsinteressen gefunden hat. Etwa mit der Zusicherung an die örtliche Bevölkerung, dauerhaft und ortsnah ihr Brennholz aus dem Wald zu bekommen.

Das tut der Natur nicht wirklich weh, fördert aber die Akzeptanz vor Ort. Da ist im Schwarzwald teilweise mit weniger Fingerspitzengefühl vorgegangen worden, was den
Widerstand "gegen die aus Stuttgart" noch gefördert hat.

Mit der Natur geht es bergab

Nordschwarzwald

Der Ausblick beim Ruhestein am Aussichtspunkt Wildseeblick im Nordschwarzwald.

Der dieser Tage veröffentlichte Artenschutzreport Deutschland hat eins klar gemacht: Mit der Natur hierzulande geht es weiter bergab. Ein Drittel der untersuchten Tier-und Pflanzenarten ist inzwischen gefährdet und auf Dauer im Bestand bedroht.

Die Ursache ist auch klar: Da ist zum einen der Klimawandel, der vor allem weniger bewegliche Organismen bedroht, die nicht ausweichen können, wenn sich die Lebensverhältnisse verschlechtern. Und es ist zum anderen unsere industrialisierte Landwirtschaft mit ihren ausgeräumten, totgespritzten Ackerfluren ohne ausreichende
Rückzugsräume und Vernetzungsmöglichkeiten.

Es werden mehr Touristen kommen

Da ist es gut, dass es im Südwesten inzwischen mit den beiden Nationalparks Schwarzwald und Hunsrück-Hochwald großflächige Rückzugsräume gibt, deren wahrer Wert sich sicherlich erst in einigen Jahrzehnten zeigen wird.

Natürlich sagen die Tourismusforscher den strukturschwachen Park-Regionen eine goldene Zukunft mit – im Fall des Hunsrücks zusätzlich 100.000 Übernachtungen und eine viertel Million Tagesbesucher jährlich voraus. Das kann man so glauben, muss aber nicht. Es werden sicher deutlich mehr werden als jetzt, das dürfte sicher sein.

Es fehlt an Infrastruktur

Mit seinen Hangmooren, botanischen Kostbarkeiten, pittoresken Felsenlandschaften und ausgedehnten Wäldern hat der Nationalpark gute Voraussetzungen, sich als Tourismusziel stärker zu etablieren.

Das geplante Netz interessanter Wander- und Radwege soll dazu beitragen. Ein funktionierendes, intelligentes Nahverkehrsnetz wäre noch wichtig, vielleicht sogar irgendwann wieder eine Bahnanbindung, und attraktivere Übernachtungs- und Bewirtungsmöglichkeiten.

Dann haben mit dem Nationalpark nicht nur Wildkatzen, Fischadler und Schwarzstörche etwas dazu gewonnen, sondern auch die Menschen.

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit