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In zwölf Berufen wird die Meisterpflicht wieder eingeführt. Der Bundestag hat das am Donnerstag beschlossen. Dem Handwerk bringe das jedoch nichts, kommentiert Berlin-Korrespondentin Anita Fünffinger.

Die Wiedereinführung der Meisterpflicht ist eine Farce. Es hört sich zwar gut an, dass der Fliesenleger künftig wieder einen Meistertitel braucht, wenn er einen Betrieb aufmachen will. Der Beschluss stärkt in der Theorie das Handwerk. Die Politik will zeigen: Euch brauchen wir mit euren Fachkräften, mit eurem Wissen.

Billig first, Meister second

In der Praxis spielt all das aber keine Rolle. Denn selbst öffentliche Auftraggeber, also der Staat, schauen bei Auftragsvergaben zuerst auf den Preis und dann - oder vielleicht auch nicht - auf die Qualifikation der Handwerker. Billig first, Meister second. Das ist das Dilemma des Handwerks.

Meisterausbildung nützt allen

Viele Kunden wissen die jahrelange Ausbildung nicht zu schätzen. Ihnen ist nicht klar, dass eine Meisterschule bis zu 20.000 Euro kosten kann, dass die Ausbildung von jungen Menschen, die eben nur ein Meisterbetrieb leisten kann, allen nützt - den Azubis und der Gesellschaft. Und dass einen Betrieb zu führen, buchstäblich gelernt sein muss.

Statt Symbolpolitik wäre Wertschätzung gefragt

Der Meister ist der Manager der Firma. Aber bekommt er die gleiche Wertschätzung wie ein Akademiker? Nein. Nicht in der Bevölkerung und schon gar nicht in der Politik. Wer jetzt also für ein paar einzelne Berufe die Meisterpflicht wieder einführt, der betreibt Symbolpolitik.

Eine Stärkung des Handwerks sähe anders aus: die teure Ausbildung kostenlos zu machen, bei öffentlichen Vergaben einen Meisterbetrieb vorzuschreiben, in politischen Bildungsdebatten nicht nur ständig über Uni-Abschlüsse zu reden, sondern einmal zu erwähnen, dass ein Handwerksmeister und ein Bachelor gleichwertig sind. Das weiß kaum einer.

Aber, dass der ungelernte Solo-Selbstständige billiger ist als der Meisterbetrieb, das weiß jeder.

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