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Die protestierenden Bauern haben mit vielem Recht - bei etlichen Punkten liegen sie jedoch falsch, beide Seite müssen für Argumente offener werden, kommentiert SWR-Umweltexperte Werner Eckert.

Die Bauern haben mit vielem Recht, was uns Verbraucher im Allgemeinen und die Städter im Besonderen betrifft. Da wird viel gefordert und gequatscht und das oft weltfremd und ohne Ahnung. Und: die Bauern haben das Recht, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die ist nicht bequem. Das Geld aus Brüssel wird knapper, die Anforderungen in Sachen Umwelt werden höher und die Grenzen für die Konkurrenz sind sperrangelweit offen für die Dumping-Konkurrenz.

Also: vieles ist nachvollziehbar was die Bauern umtreibt. Aber manches ist nicht änderbar: die offenen Grenzen etwa. Deutschland ist Exportweltmeister und wer ausführen will, der kann sich gegen Einfuhren nicht sperren. Oder in Punkto Subventionen: Wer Steuergelder bekommt, wird sich Kontrollen gefallen lassen müssen und darf sich über Bürokratie nicht beklagen.

Das Nitraproblem verschwindet nicht einfach

Und in anderen Punkten sind die Bauern auch schlicht im Unrecht. Das Nitratproblem etwa verschwindet nicht dadurch, dass man das Messnetz ändert. Und da gab es Zeit genug einvernehmliche Lösungen zu suchen. Das ist auch an den Bauern und ihrem Widerstand gescheitert. Jetzt – wo die EU längst die Daumenschrauben angelegt hat und Berlin gar nicht mehr anders kann, als Druck machen – jetzt wollen sie dann doch lieber reden.

Oder beim Insektenschutz: wie lange soll da noch geforscht werden, eh sie die Tatsache akzeptieren, dass die Art der Landwirtschaft, die wir heute betreiben, einen wesentlichen Anteil hat? Bei diesem Thema kann man ja über die Art und Weise des Insektenschutzes noch reden. Aber man muss es auch. Und zwar schnell und zielführend und nicht wieder in kompletter Bunkermentalität.

Traktoren schaffen Aufmerksamkeit, sind aber keine Argumente

Ja, da ist verbrannte Erde zwischen den Bauern und dem Rest der Bevölkerung. Aber da kommt man nur drüber, wenn beide Seiten offen sind. Die Kunden mögen naiv sein und Umweltschützer hier und da übermotiviert.

Aber sie haben das Recht andere Schwerpunkte zu setzen als das einem bäuerlicher Unternehmer gefallen mag. Das muss man aushandeln. Und dabei schaffen Tausende von Traktoren zwar Aufmerksamkeit, aber sie sind noch keine Argumente.

Hören Sie hier den Kommentar von Werner Eckert:

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